1926 — 2026

100 Jahre LVA – Die Chronik

Höhenflüge, Wendepunkte, von der Gründung bis heute

1926

Das Jahr der Gründung

„Fliegen tut Not!“ Die Gründung

Unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit heben flugbegeisterte Aachener den Luftfahrt-Verein Aachen e. V. (LVA) aus der Taufe. Der neue Club trifft einen Nerv, denn „Fliegen tut Not“, wie es in einem Presseartikel heißt: Luftfahrt ist d i e Zukunftstechnologie, die „Eroberung des freien Luftmeers“ das Gebot der Stunde. Noch am Gründungsabend hat der neue Verein 150 Mitglieder, binnen Wochen sind es 400. Im Vorstand finden sich zahlreiche bekannte Namen der Aachener Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, darunter ein Nadelfabrikant, ein Rennwagen-Hersteller, ein Bankdirektor, ein stellvertretender Polizeipräsident und ein hoch dekorierter Weltkriegsadmiral. Die hohe Dichte an Lokalprominenz ist kein Zufall. Denn es geht nicht allein um die organisatorische Heimat von ein paar spinnerten Hobbypiloten, sondern um handfeste Wirtschaftsinteressen.

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1929
Konstrukteur Hermann Mayer in der MSII, mit der ihm in den Jahren 1931 und 32 beachtliche Streckenflüge gelangen. 1933 stürzte er allerdings mit der Maschine in Borkenberge ab und verunglückte tödlich.
Konstrukteur Hermann Mayer in der MSII, mit der ihm in den Jahren 1931 und 32 beachtliche Streckenflüge gelangen. 1933 stürzte er allerdings mit der Maschine in Borkenberge ab und verunglückte tödlich.
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Ein Segelflugzeug für den LVA: Die M1

Der Luftfahrt-Verein Aachen hat sich nicht nur die Errichtung eines Flughafens auf die Fahnen geschrieben. Sein Segelflugausschuss fördert auch neue Flugzeugkonstruktionen. Hierfür rekrutiert er 1929 Hermann Mayer, einen jungen Assistenten am Aerodynamischen Institut der RWTH, und beauftragt ihn mit dem Bau eines einfachen, billigen Segelflugzeuges. Die Maschine mit der Bezeichnung M1 wird in der Institutswerkstatt gefertigt, von Mitgliedern der LVA-Segelfluggruppe. Die Leistungen des Einsitzers können sich durchaus sehen lassen, wie Mayer beim jährlichen Rhönwettbewerb auf der Wasserkuppe zeigen kann.

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1930
Eine Junkers Junior am Eröffnungstag (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Eine Junkers Junior am Eröffnungstag (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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„Außerordentlicher Beifall“: Merzbrück wird Aachener Flughafen

Auf die feierliche Eröffnung des „Aachener Flughafens“ durch lokale Würdenträger und Segnung der Anlage durch die Geistlichkeit folgt ein spektakuläres Flugprogramm mit Fallschirmsprüngen, Luftwettrennen, Kunstflugvorführungen und Geschicklichkeitsprüfungen. 20.000 Aachener sind dafür nach Merzbrück geströmt. Vom Publikum besonders gefeiert werden zwei weibliche Piloten

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1931
Perlia mit seiner Klemm KL 25 im Tiefflug über Merzbrück. In seinen Lebenserinnerungen legt der erste Fluglehrer des LVA Wert auf die Feststellung, dass dieses Bild keineswegs eine Fotomontage sei. (Quelle: Richard Perlia. Mal Oben, mal unten. Das brisante Leben des Testpiloten Richard Perlia. Schiff und Verlagsbuchhandlung 2002, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Perlia mit seiner Klemm KL 25 im Tiefflug über Merzbrück. In seinen Lebenserinnerungen legt der erste Fluglehrer des LVA Wert auf die Feststellung, dass dieses Bild keineswegs eine Fotomontage sei. (Quelle: Richard Perlia. Mal Oben, mal unten. Das brisante Leben des Testpiloten Richard Perlia. Schiff und Verlagsbuchhandlung 2002, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Himmlische Blumengrüße: Die erste Aachener Flugschule

Der Luftfahrt-Verein Aachen gründet eine sogenannte Flugübungsstelle und schafft dafür eine einmotorige, zweisitzige Klemm L25a an. Als Fluglehrer wird der junge Flugpionier Richard Perlia angestellt. Der ist in Aachen bald bekannt wie ein bunter Hund, fliegt mit der kleinen 20-PS-Klemm bis zur Zugspitze und wird später als Testpilot noch für Aufsehen sorgen.

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Flugzeug vor Schafherde: Die Junkers F13 auf dem Flugplatz Merzbrück. Die Konstruktion aus dem Jahr 1919 war nicht nur das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, sondern auch das Arbeitstier der frühen Lufthansa. Ein knappes Drittel der Flugzeugflotte von 162 Maschinen im Gründungsjahr 1926 entfällt auf diesen Flugzeugtyp, insgesamt 47 Maschinen. (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Flugzeug vor Schafherde: Die Junkers F13 auf dem Flugplatz Merzbrück. Die Konstruktion aus dem Jahr 1919 war nicht nur das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, sondern auch das Arbeitstier der frühen Lufthansa. Ein knappes Drittel der Flugzeugflotte von 162 Maschinen im Gründungsjahr 1926 entfällt auf diesen Flugzeugtyp, insgesamt 47 Maschinen. (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Verkehrsfluglinie Nr. 81: Von Aachen aus in die Welt

Mit Beginn ihres Sommerflugplans eröffnet die Deutsche Lufthansa ihre Verkehrsfluglinie Nr. 81, einen täglichen Zubringerdienst von Aachen zum „Kölner Zentralflughafen“. Der Ticketpreis für den 25-minütigen Flug beträgt übersichtliche 10 Reichsmark (etwa 65 Euro in heutiger Kaufkraft), ermäßigt auf 8 Mark bei Weiterflug zu einem anderen Ziel – das alles inklusive motorisiertem Flughafentransfer von und nach Aachen. Allerdings wird darum gebeten, größeres Gepäck separat mit der Bahn zu versenden…

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Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Aus allen Himmelsrichtungen: Sternflug nach Aachen

Auf Einladung des LVA kommen in Merzbrück zum ersten Mal fast 40 Flugzeuge aus dem In- und Ausland zusammen, zwei Tage lang und im „Geiste[…] der Verständigung und Annäherung zwischen den deutschen und Ausländischen Sportfliegern“, wie die Presse schreibt – , Stadtrundfahrt, Galadiner und Empfang beim Oberbürgermeister inklusive.

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1932
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Ein Riese in Merzbrück

Beim Besuch der Junkers G38 kommt es zu tumultartigen Szenen, als tausende Zuschauer das Vorfeld stürmen, um in die Nähe des größten Flugzeugs der Welt zu gelangen: 44 Meter Spannweite, 7 Mann Besatzung für 34 Fluggäste, die zum Teil in den Tragflächen unterkommen – mit sensationellem Panoramablick nach vorn. Luxuriös ausgestattet, verfügt der „Luft-Goliath“ sogar über einen Rauchersalon. Eingefädelt hat die Stippvisite des „Luft-Goliaths“ Konstrukteur Hugo Junkers persönlich.

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1933

Das Jahr, in dem sich alles ändert. Auf allen Ebenen. Das Stichwort heißt Gleichschaltung – und Luftfahrt steht ganz oben auf der Liste.

Braune Zeiten: Das Ende des Luftfahrt-Vereins

Der LVA verliert seine Selbständigkeit und wird in den neu gegründeten Deutschen Luftsportverband (DLV) eingegliedert. 1937 wiederum wird der DLV in das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) überführt werden. Widerstand gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung ist nicht überliefert. Offiziell begrüßt der LVA sogar diese Entwicklung.

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(Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH)

Fliegen unterm Hakenkreuz

Auf die Gleichschaltung der der Vereine folgt die Militarisierung der gesamten Luftfahrt. Auch und gerade die Segelfliegerei ist davon betroffen, weil es damit möglich ist, die Jugend anzusprechen und für den Nationalsozialismus zu begeistern. Die wenigsten Flieger scheinen damit ein Problem zu haben. Die Vereinnahmung funktioniert auch deshalb so gut, weil die Fliegerei aufgrund ihrer Wichtigkeit für die Aufrüstung großzügig alimentiert wird. Und so entfaltet auch die Aachener Fliegergruppe zahlreiche Aktivitäten, im Dienst des Fliegergedankens gleichermaßen wie im Dienst der NS-Propaganda.

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1939

Kriegsjahre

Mit Kriegsbeginn ist die private, zivile Luftfahrt praktisch untersagt. Der Flugplatz Merzbrück wird vom Reich beschlagnahmt und zum Feldflughafen erklärt. Auch eine Flugabwehrstellung wird dort eingerichtet. Kommandant des Flugplatzes wird später der erste Nachkriegs-Vorsitzende des LVA.

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1950

Die Wiedergründung

„Heimweh nach Freiheit“ – Der neue LVA

Wiedergründung des LVA im Restaurant „Aachener Bürgerbräu“, diesmal als Luftsport-Verein Aachen e.V. Bereits am Gründungsabend unterschreiben 68 Interessenten die Beitrittserklärung. In den kommenden Monaten wird die Zahl der Mitglieder auf 194 ansteigen. Allerdings müssen sie sich noch in Geduld üben, denn jenseits von Modellflug ist die Fliegerei im Nachkriegsdeutschland verboten.

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1952
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Es geht wieder los!

Merzbrück wird vom Ministerium für Wirtschaft und Verkehr NRW für Segelflug zugelassen. Die Flugwissenschaftliche Vereinigung (FVA) pachtet das Gelände und beginnt zusammen mit Mitgliedern des LVA und anderen Vereinen, den Schutt der zerstörten Startbahnen zu beseitigen. Eine Halle oder andere Gebäude existieren nicht mehr. Als Provisorium wird eine sogenannte Nissenhütte aufgebaut.

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1953
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Seilwinde, Marke Eigenbau

Motorflug und damit Flugzeugschlepp ist weiterhin verboten und wird erst 1955  wieder erlaubt werden. Gummiseilstarts wiederum sind mangels ausreichendem Gefälle in Merzbrück recht freudlos. Eine Seilwinde muss her! Aber wie das Meiste in der Nachkriegszeit, gibt es Winden nicht von der Stange zu kaufen, sie muss in Eigenleistung gebaut werden.

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1956
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Wanderzirkus LVA, Teil I

Im Februar 1956 übernehmen belgische Militärflieger den Flugplatz Merzbrück: Zunächst bleibt die zivile Nutzung des Platzes erlaubt, doch wenige Monate darauf entzieht der belgische Kommandant die Genehmigung – „ohne Begründung“, wie es in einer Flugplatzchronik heißt. Die Vereine am Platz sehen sich genötigt, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen, um in der Region in die Luft zu kommen.

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1957
Gummimotor: Modellfluggruppenleiter Helmut Richter beim Aufziehen. Das Gewicht des verwendeten Gummis darf nicht größer als 30 Gramm sein
Gummimotor: Modellfluggruppenleiter Helmut Richter beim Aufziehen. Das Gewicht des verwendeten Gummis darf nicht größer als 30 Gramm sein
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Meisterhafte Modellflieger

Bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Flugplatz in Fritzlar siegt LVA-Mitglied Roland Eisen in der sogenannten Wakefield-Klasse. Seinen Erfolg wird er bei den darauf folgenden DM sogar wiederholen können: In Kassel-Waldau führt er ebenfalls in der Wakefield-Klasse und startet 1963 sogar bei der WM in Wiener Neustadt.

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1958
Zur aerodynamischen Optimierung der Tragflächenoberfläche haben die Konstrukteure auf klassische Bremsklappen verzichtet und die HKS3 mit einem Bremsfallschirm ausgestattet – ein Novum im Segelflugzeugbau. Hinter der Tragfläche am Rumpf gut zu erkennen: Lüftungsschlitze, die für einen steten Unterdruck im Innern sorgen und so ebenfalls den Luftwiderstand außen reduzieren. (Foto: Luftsportverein Aachen. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Zur aerodynamischen Optimierung der Tragflächenoberfläche haben die Konstrukteure auf klassische Bremsklappen verzichtet und die HKS3 mit einem Bremsfallschirm ausgestattet – ein Novum im Segelflugzeugbau. Hinter der Tragfläche am Rumpf gut zu erkennen: Lüftungsschlitze, die für einen steten Unterdruck im Innern sorgen und so ebenfalls den Luftwiderstand außen reduzieren. (Foto: Luftsportverein Aachen. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Weltklasse!

Bei der Segelflug-WM in Polen gewinnt LVA-Mitglied Ernst Günter Haase mit großem Abstand und wird Weltmeister in der offenen Klasse. Sein Flugzeug: die in Herzogenrath entwickelte und gebaute HSK 3 (HSK = Haase-Kensche-Schmetz). Sie ist das Gesprächsthema beim Wettbewerb und jeden Tag umringt von Neugierigen. Kein Wunder: Einziehfahrwerk, Wölbklappen und Bremsfallschirm sind nur drei der Weltneuheiten, mit denen die Maschine aufwartet.

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1962
Luftaufnahme Merzbrück ca. 1960 (Foto: Günther Lücker)

Rückkehr nach Merzbrück

Es sind zwar keine biblischen 40 Jahre, die das Fliegervolk heimatlos durch die Wüste irrt, aber immerhin sechs. Nun aber geht es endlich zurück! Der LVA ist spät dran, andere Vereine wie die Akaflieger von der FVA haben schon vor Jahren mit den Belgiern entsprechende Vereinbarungen getroffen. Dem LVA aber fehlte bis dahin die wichtigste Voraussetzung: eine Schleppmaschine, denn Windenbetrieb ist nach wie vor verboten auf Merzbrück. Zunächst mit einer geliehenen Tiger Moth, dann mit einer eigenen nimmt der Verein den regulären Schul- und Flugbetrieb wieder auf. Doch das Fliegerglück ist von kurzer Dauer.

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1964
F-Schlepp mit Tiger Moth (Foto: Günther Lücker. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
F-Schlepp mit Tiger Moth (Foto: Günther Lücker. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Lokalderby

Im Frühjahr findet das erste „Aachener Vergleichsfliegen“ statt. Bereits die erste Ausgabe wird zum Erfolg: Verteilt über drei Wochenenden messen sich 55 Segelflieger aus der Aachener Region. Die Zahl der Anmeldungen liegt meist deutlich über der Zahl freier Plätze. Das liegt am Konzept des Vergleichsfliegens: ein niedrigschwelliges Angebot für Neulinge im Streckenflug und eine Art Familientreffen für alte Hasen

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1968
Verhinderter Hallenbau: Ein Sturm macht dem Projekt LVA-Halle kurzzeitig einen Strich durch die Rechnung (Foto: Günther Lücker)

Eine Flugzeughalle für den LVA

Die Landeshalle aus den 1950er Jahren bietet zu wenig Platz für den wachsenden Flugzeugpark. Der erste Versuch vereinseigenen Hallenbaus wird allerdings von einem Sturm zunichte gemacht: Noch bevor die Tore installiert sind, greift eine kräftige Windböe unter das Hallendach, hebt die Holzpfosten aus der Verankerung und dreht die gesamte Konstruktion um 180 Grad, sodass das Dach hinter dem Bauplatz umgedreht zum Liegen kommt. Der zweite Versuch mit Betonfundamenten zwei Monate später hält zum Glück – bis heute.

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1975
(Foto: Günther Lücker)

Plastik statt Holz: Eine neue Ära

Taufe des neuen LVA- Hochleistungssegelflugzeugs Standard-Cirrus beim 25-jährigen Jubiläum des Vereins durch Aachens Oberbürgermeister Kurt Malangré . Mit dem Cirrus beginnt der konsequente Umbau des LVA-Flugzeugparks. In den folgenden Jahren werden nach und nach Holzflugzeuge abgeschafft und durch moderne Kunststofflugzeuge ersetzt. Bis heute folgen bei den Einsitzern mehrere Jeans-Astir, Astir CS und Discus, LS1, LS 4, LS 7, LS 8 und Libelle, bei den Doppelsitzern ASK 21, DG500 und DuoDiscus.

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1979
Kräftiger Schluck aus der Pulle: Empfang des Deutschen Meisters Manfred Dick in Merzbrück nach seinem DM-Sieg. (Foto: Manfred Dick)

Nachwuchsstar mit „Superorchidee“

LVA-Mitglied Manfred Dick wird bei den Deutschen Meisterschaften in Bückeburg mit einem Nimbus 2 Sieger in der offenen Klasse. Das Flugzeug wurde ihm von „der Gräfin“ zur Verfügung gestellt, einer französischen Adeligen mit Spaß am Segelflug. Über Jahrzehnte fördert sie Nachwuchspiloten, indem sie ihnen saisonal Hochleistungsflugzeuge lieh. So kommt es, dass Manfred Dick im zarten Alter von 25 eine solche „Superorchidee“ fliegen darf. Und er macht was draus: Er verweist die Platzhirsche Klaus Holighaus und Bruno Gantenbrink auf die Plätze. Und bis heute ist er der jüngste Pilot, der jemals die offene Klasse in Deutschland gewonnen hat. 

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1990
Vereinsinternes Diplom mit dem Höhenschrieb des 1000-Kilometer-Fluges nach Paris am 5. Mai 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen (Quelle: Luftsportverein Aachen e.V.)

Die magische 1000

Auch heute noch is es eine große Herausforderung und für jeden Streckenpiloten ein Traum : das 1000er Dreieck. LVA-Pilot Manfred Dick erfüllt ihn sich 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen und ist damit nach über 10 Jahren der zweite Pilot überhaupt, der diese Strecke von deutschem Boden aus startet und vollendet. Mit seinem Co Herbert Zimmerman fliegt er in einer ASH25 von Merzbrück aus nach Sens südlich von Paris, dann nach Solingen und wieder zurück – und legt damit insgesamt über 1000 Kilometer zurück. Die ungewöhnliche Wetterlage macht es möglich: „Das war unglaublich“, erinnert sich Manfred Dick.

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Stein für Stein: Letzte Arbeiten vor dem neuen LVA-Jugendheim (Foto: Günther Lücker)

Ein Heim für die Fliegerjugend

Nach zwei Jahren Bauzeit wird das LVA-Jugendheim eingeweiht. Der Bau geht auf die Initiative des Ersten Vorsitzenden Hermann-Josef Kirch zurück, dem das jahrzehntealte Provisorium, der altersschwache Eisenbahnwaggon, schon länger ein Dorn im Auge war. Unter dem Motto „Im Mittelpunkt steht die Jugend“ wird der Neubau großzügig geplant und zu einem großen Teil in Eigenleistung errichtet. Das ändert nichts daran, dass die Baukosten irgendwann über dem geplanten Budget liegen. Vorsitzender Kirch und Geschäftsführer Manfred Dick springen ein und finanzieren den Fehlbetrag.

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2001

Von Igeln und Hasen: Vergleichsfliegen wird EuregioCup

Nachdem im Jahr zuvor das 35. Aachener Vergleichsfliegen durchgeführt wurde, startet in diesem Jahr die erste Auflage des EuregioCups. Mit leicht geänderten Regeln aber im gleichen Geist. Organisiert wird der jährliche Wettbewerb von Hajo Machetanz, der in den Jahren zuvor selbst fleißig und oft vorn beim Vergleichsfliegen mitgeflogen ist. Der Name ändert sich, ebenso der Durchführungszeitraum: Statt verteilt über mehrere Wochenenden gibt es nun maximal fünf Wertungstage hintereinander. Das erlaubt auch die Teilnahme von auswärtigen Piloten mit langer Anreise. Viele nehmen die Gelegenheit wahr und so wird aus dem Regional-Deby ein familiärer Wettbewerb mit Piloten aus ganz Deutschland und den Niederlanden, darunter auch immer wieder deutsche, Europa- und Weltmeisterschaftsteilnehmer.

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2006
(Foto: Verein für Integrative Jugendcamps e.V.)

Abenteuerwochenende auf dem Flugplatz

30 Jugendliche aus der Aachener Region nehmen am ersten Sommerferien-Wochenende am ersten Integrativen Jugendcamp teil – und dürfen (wenn sie wollen) einmal mit dem Segelflugzeug über ihrer Heimat kreisen. Seitdem ist das Jugendcamp zum regelmäßigen, jährlichen Event geworden.

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2007
(Foto: Sybille Krummacher)

Stürmisches Déja-Vu

So etwas hatten wir doch schon mal! Am 18. und 19. Januar wütet der Orkan Kyrill über Deutschland und richtet vielerorts massive Schäden an – auch der LVA bleibt davon nicht verschont: Die Garagen für die Flugzeuganhänger neben dem Clubheim werden vom Sturm angehoben und landen auf dem Parkplatz dahinter – ähnlich wie Anno 1969 das Dach der brandneuen LVA-Halle. Anhänger und Fluggerät kommen zum Glück glimpflich davon: Abgesehen von Kratzern und Dellen bleibt das meiste weitgehend unversehrt.

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2019
Bauarbeiten zur Verlegung und Verlängerung der Landebahn auf 1100 Meter. Aus der 26 wird die 25 und aus der 08 die 07 (Foto: Rudi Mathar)

Wanderzirkus LVA, Teil II

Beginn der Bauarbeiten am Flugplatz Aachen Merzbrück – und Ende einer (fast) unendlichen Geschichte: Bereits 1968 hatte der Aachener Stadtrat beschlossen, den Flugplatz Merzbrück zum Flughafen auszubauen mit einer 1850 Meter langen Start- und Landebahn. Ruckzuck, 55 Jahre später, rollen denn auch die Bagger. Zwei Jahre werden die Arbeiten dauern – so lang sind der LVA und die Nachbarvereine gezwungen, auf Wanderschaft zu gehen – wieder einmal.

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2021
Die neue Elektrowinde ESW 2B. Der Strom kommt aus der Steckdose und wird gesponsert. Damit kommen die Aachener Segelflieger nachhaltig und umweltfreundlich in die Luft (Foto: Rudi Mathar)

Zurück zu den Anfängen: Merzbrück wird wieder Windenplatz

Zu Beginn der 1950er begann der reguläre Segelflugbetrieb in Merzbrück mit einer selbst gebauten Winde. Sieben Jahrzehnte später ist es wieder soweit, nur ist die Winde diesmal elektrisch (und gekauft): Taufe der blitzneuen ESW-2B. Die neue, lange Startbahn macht’s möglich. Die neue/alte Startart bedeutet einen Schub für den Segelflug in Aachen, vor allem für den Schulbetrieb. Damit kommen die Aachener Segelflieger umweltfreundlich und nachhaltig in die Luft.

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2025
Ehrung auf großer Bühne: Hans-Josef Bülles vom Stadtsportverband Würselen (links)und Bürgermeister Roger Nießen (rechts) überreichten Urkunden und Medaille an das Bundesliga-Team (v.l.n.r.): Max Klomp, Lukas Pirig, Wilhelm Alexander Klomp, Nils Landmesser (weitere Teammitglieder: Kevin Lippold, Linus Baur, Alexander Treptow)

Ausgezeichnete Leistung

Im Januar ehrt die Stadt Würselen die Juniorenmannschaft des Segelflugzentrums Aachen (SFZ) mit Sportler-Medaille. Die Nachwuchs-Piloten hatten in den beiden Jahren zuvor einen guten Lauf und landeten nach heiß umkämpften 18 Wertungstagen in der Deutschen Segelflug-Bundesliga 2023 auf dem ersten, 2024 auf dem zweiten Rang. Bei der Preisverleihung in der Aula der Würselener Gesamtschule waren die Segelflieger die Exoten unter den Geehrten und viele der Anwesenden Gäste sichtlich erstaunt darüber, dass Segelfliegen nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern Leistungssport sein kann.

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Fortsetzung folgt