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2021

Zurück zu den Anfängen: Merzbrück wird wieder Windenplatz

Schampus für Strom: Initiator Rudi Mathar vor der neuen Elektrowinde ESW 2B. Der Strom kommt aus der Steckdose und wird gesponsert. Damit kommen die Aachener Segelflieger nachhaltig und umweltfreundlich in die Luft (Foto: Rudi Mathar)

Sie ist der Mercedes unter den Winden: die ESW-2B. Zu Beginn der 1950er begann der reguläre Segelflugbetrieb in Merzbrück mit einer selbst gebauten LVA-Winde, ohne fahrbaren Untersatz und mit nur einer Seiltrommel. Sieben Jahrzehnte später ist es wieder soweit: Taufe der blitzneuen Doppeltrommel-Winde im Sommer 2021 – in diesem Fall nicht selbstgebaut, dafür aber elektrisch (ESW = Elektrostartwinde) und auf dem neuesten Stand der Technik.

Möglich wird die alte/neue Startart am Platz durch die neue, deutlich verlängerte Startbahn, die für eine ausreichende Schlepphöhe sorgt. Im Zuge des Flugplatzumbaus wurden Kabelkanäle für die Telefonverbindung zwischen Start und Winde gelegt, sowie Leitungen für die Stromversorgung der Winde. Perfoplatten auf der gesamten Windenschleppstrecke, auf der die Seile per Leppo ausgezogen werden, sorgen auch in der Schlammsaison dafür, dass der Rasen nicht komplett ruiniert wird und die Füße halbwegs trocken bleiben. 

Die neue/alte Startart bedeutet einen Schub für den Segelflug in Aachen, vor allem für den Schulbetrieb. Damit kommen die Aachener Segelflieger umweltfreundlich und kostengünstig in die Luft. Für beides sorgt Energieversorger enwor Netz GmbH, der den benötigten Strom sponsert. 

Die neue Elektrowinde ist ein voller Erfolg: Innerhalb der ersten 5 Jahre verzeichnet sie 10.000 Starts. 

„Das hat dem Segelflug nochmal ganz neue Dynamik gegeben“, resümiert Rudolf Mathar, Fluglehrer und einstiger Vorsitzender des LVA. Er hat die Anschaffung der Winde initiiert und maßgeblich vorangetrieben. Gerade zum Beginn der Segelflugausbildung kommt es darauf an, viele Flüge zu machen, um Start und Landung zu trainieren, und das geht mit der Winde deutlich billiger.„Wir haben jetzt ein Startgebühr von 6,50 Euro für den Windenstart. Für die Schulung reicht die Winde völlig aus, während ein Flugzeug-Schlepp auch vor 10 Jahren schon in der Größenordnung von 30 Euro lag.“ Auf die Dauer geht das ins Geld, vor allem bei jugendlichen Fluganfängern und Studenten, die auf jeden Euro achten müssen. Der Effekt, den die Einführung der günstigen Startart Winde hat, war unmittelbar spürbar: „Es hat einen deutlichen Zuwachs bei den Mitgliedern gebracht, einfach weil es für viele finanzierbar wurde.“

Und das alles auch noch umweltfreundlich: „Was wir jetzt machen ist nachhaltig. Wir können mit grünem Strom, mit dem Strom von den Windrädern, die nebenan stehen, Segelflugstarts durchführen.“

Leise, sauber, günstig – Winde gut, alles gut!

Ein weiterer Effekt: die deutliche Reduzierung von Lärmbelästigung für die umliegenden Gemeinden, so Rudolf Mathar: „Der Fluglärm war immer ein wichtiges Argument der Flugplatzgegner. Wenn man natürlich Flugzeug-Schlepps mit Motorflugzeugen durchführt, dann lässt sich Restlärm nicht vermeiden. Wir haben alles getan, dass die Flugzeuge so leise werden, wie es denn eben geht, durch spezielle Propeller, durch speziell Auspuffanlagen, aber sie sind nach wie vor hörbar.“

Aber die braucht man ja jetzt nicht mehr, wo die Winde da ist: Winde gut, alles gut, richtig? Nicht ganz. Eine Winde ist großartig, um günstig in die Luft zu kommen. Sie hat allerdings auch Beschränkungen: Die Schlepphöhe beträgt nur 300-400 Meter und nicht immer reicht das, um die Aufwinde zu erreichen für längere Flüge. Dafür werden auch in Zukunft Schleppflugzeuge benötigt, die Segelflugzeuge höher und direkt dorthin schleppen können, wo die Thermik ist.

Doch auch hierfür ist eine Lösung in Arbeit, und die heißt wiederum: Elektrifizierung, diesmal die der Schleppflugzeuge. Das ist technisch eine große Herausforderung, denn so ein Segelflugzeug an einem langen Seil hintendran in die Luft zu zerren, bedeutet eine Menge zusätzlichen Widerstand und damit viel zusätzlich benötigte Energie. Aber erste Testflüge finden bereits statt und bei der aktuellen Entwicklungsgeschwindigkeit im Bereich der Batterietechnik könnten bald schon Elektro-Flieger Segelflugzeuge umweltfreundlich und fast unhörbar in die Luft schleppen.