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1963

Das fliegende Klassenzimmer

OriginalRestauriert

LVA-Mitglied und Schuldirektor Paul Speitkamp gründet in Kooperation mit dem LVA eine Schülerfluggemeinschaft am Aachener Couven-Gymnasium, mit großem Erfolg: In den ersten Jahren lernen bis zu 30 Schüler vom Couven das Segelfliegen in Merzbrück. Für die fliegerische Ausbildung steht dem LVA zusätzlich zum eigenen Doppelsitzer eine von der Stadt Aachen gestellte Ka 7 (D-5689) zur Verfügung, sowie ein VW-Bus zum Transport von Schülern und Segelflugzeugen.

LVA-Fluglehrer Rudi Zeller kommt 1965 über die Schülerfluggemeinschaft zur Segelfliegerei: „Da sind zwei Leute durch alle Klassen gezogen, die Schüler geworben haben. Das waren zwei Flieger aus dem Verein, der eine war der Bernd Krückel. Ich habe das dann zu Hause erzählt. Da sagt mein Vater, das kannst du ruhig mal machen, ich bin früher auch Segelflieger gewesen. Das wusste ich gar nicht.“

Rudolf Zeller (rechts) mit Funkgerät an der Ka7 der Schülerfluggemeinschaft. Über die Kooperation am Couven-Gymnasium kam Rudi 1965 zum LVA (Foto: Günter Lücker)
Rudolf Zeller (rechts) mit Funkgerät. Über die Kooperation am Couven-Gymnasium kam Rudi 1965 zum LVA (Foto: Günter Lücker)

Im Mai 1965 darf Rudi dann seinen ersten Start als Flugschüler machen. Die Schüler sind hoch motiviert. Das müssen sie auch sein, denn die Tage sind lang, die Flüge kurz und die Zahl der Schulstarts überschaubar. Rudi Zeller: „Damals war die Schülerfluggemeinschaft sehr groß, das heißt, wenn man Glück hatte, dann hat man einen Start pro Tag gekriegt, manchmal aber auch keinen, weil so viele Schüler da waren.“ Der Flugbetrieb ist stramm organisiert: Hallentore auf um 8 Uhr morgens, Beginn des Flugbetriebes um 9 und dann Starts und Landungen bis Sonnenuntergang – alles natürlich ohne Rückholfahrzeuge, sondern per Hand geschoben. „Das war ein richtig heftiger Flugbetrieb“. Aber es sind ja auch genug Hände und Beinde zum Schieben da.

An seinen ersten Flug kann Rudi sich nicht mehr erinnern, an seinen ersten Alleinflug zwei Jahre später dagegen schon: Alles ging gut, bis zur Landung: „Das war nicht so toll. Da habe ich nach dem Aufsetzen noch mal einen Sprung bis in 4 Meter Höhe gemacht, zum Entsetzen des Fluglehrers, aber es ist nichts kaputtgegangen.“ – Und mit Sicherheit war es nicht die erste und nicht die letzte Bumslandung der Ka7, die das treue Schulflugzeug der Schülerfluggemeinschaft in ihrem langen Leben klaglos erduldet hat.

Die Segelfluggemeinschaft besteht über mehrere Jahrzehnte und sorgt für fliegerischen Nachwuchs, sowohl in der Segelflug- wie in der Modellflugabteilung. Durch die Modellbauwerkstatt in den Kellerräumen des Couven ist der Weg nicht weit. LVA-Fluglehrer Rudi Zeller ist 1965 über die Schülerfluggemeinschaft zur Segelfliegerei gekommen.

Aushallen des LVA-Schulungsdoppelsitzers Twin Astir für den wöchentlichen Flugbetrieb der Schülerflug AG (Foto: Christian Schultz)
Aushallen des LVA-Schulungsdoppelsitzers Twin Astir für den wöchentlichen Flugbetrieb der Schülerflug AG (Foto: Christian Schultz)

Zu Beginn der 1990ern kommt eine weitere Schülerflug-AG hinzu: An der Heinrich- Heine-Gesamtschule in Aachen unterrichtet LVA-Mitglied HP Schüller Musik. Für seine Schüler organisiert er unter der Woche Schulbetrieb in Merzbrück und fliegt meist selbst die Schleppmaschine, während die Teilnehmer seiner AG von den LVA-Fluglehrern Helmuth Schultz und Wolfgang Tamara geschult werden. Als Doppelsitzer stehen hierfür der Twin Astir der LVA und die ASK 21 von Nordstern zur Verfügung. „In der Schulzeit Segelfliegen gehen, wem würde das nicht gefallen?!“, fragt rhetorisch einer von HPs damaligen Schülern, Christian „Rocky“ Schultz von der Segelfluggruppe Nordstern.

„Coole Zeit“: Christian (Rocky) Schultz als 14-jähriger Flugschüler in der ASK 21 (Foto: Christian Schultz)
„Coole Zeit“: Christian (Rocky) Schultz als 14-jähriger Flugschüler in der ASK 21 (Foto: Christian Schultz)

Und es bleibt nicht beim Fliegen in Merzbrück. Immer mal wieder wird freitags einer der beiden Doppelsitzer abgerüstet und zur Dahlemer Binz in die Eifel verfrachtet: Wochenend-Lehrgang an der Winde, da in Merzbrück zu diesem Zeitpunkt nur Flugzeugschlepp möglich ist. Auf der Binz wird dann auch übernachtet, natürlich im gemeinsamen Zeltlager.

„Wir haben da eine sehr, sehr schöne Zeit gehabt mit den Leuten von der Binz,“ erinnert sich Rocky. „Wir haben abends Lagerfeuer gemacht und gegrillt. Eine richtig coole Zeit“. Von einem dieser Wochenenden existiert sogar noch ein Video. Die technische Qualität aus den 1990er Jahren ist eher bescheiden, die Atmosphäre aber kommen rüber.

Auch diese Segelflug-AG besteht viele Jahre – so lang dass Rocky als Scheininhaber sogar seine Lehrer zum Gastflug einladen kann. Was sich aber kaum jemand traut: „Herr Matzotko war der einzige Lehrer der gesamten Schule, der Manns genug war, um mit mir zu fliegen.“

Schade, sie haben was verpasst…