Herbst
Ein Riese in Merzbrück
„Mannshohe Räder“: Ein lang erwarteter Besuch in Aachen
Die „Generalfeldmarschall von Hindenburg“ macht es spannend: Angekündigt ist die Junkers G38 an diesem Herbsttag für 10 Uhr vormittags. Mehr als 20.000 Schaulustige sind nach Merzbrück gepilgert, um den „Goliath der Lüfte“ zu bestaunen, das größte Passagierflugzeug der Welt. Doch sie müssen sich in Geduld üben. Wie ein Ansager über die Lautsprecheranlage verkündet, hat Nebel im Rheintal den Start in Bonn ebenso verzögert wie den Zwischenstopp in Köln.


Eine Landung des „Luft-Omnibus“ in Aachen war lange ersehnt worden. Hugo Junkers persönlich hatte sich bereits 1930 auf Bitten des LVA dafür eingesetzt, dass „ein Besuch Aachens und ein eventueller mehrtägiger Aufenthalt zur Besichtigung des Flugzeugs auf dem Rückflug nach Dessau sich eventuell ermöglichen läßt.“ Die G38 sollte auf Werbetour gehen, ein Zwischenstopp in Merzbrück aber war ursprünglich nicht vorgesehen. „Wir nehmen an, daß der Rückflug von Brüssel aus erfolgt,“ so Junkers weiter, „wobei Aachen ohne Vergrößerung der Flugstrecke angeflogen werden könnte.“ Dazu aber kommt es erst zwei Jahre später, und dann mit Verzögerung.

Nach zweieinhalb Stunden bangen Wartens die Erlösung: „In der Ferne erschien endlich, silbrig glänzend durch sein Metallkleid, in geringer Höhe die riesige Maschine, deren vier vorn angebrachte Luftschrauben im herrlichen Herbstsonnenschein weithin funkelten“, schwärmt der Berichterstatter vom Aachener Generalanzeiger. „Mit unerwarteter Leichtigkeit senkte sich der Luftriese, von der Meisterhand des Flugkapitäns Brauer gesteuert, auf den Flugplatz hinab und landete glatt, am Rande der Ebene sanft aufsetzend und mit seinen vier, mannshohen Rädern zum Fluggastwechsel an die Hallenrampe rollend.“
Als die G38 endlich an seiner Parkposition zum Stehen kommt, gibt es für die dicht gedrängte Menschenmenge kein Halten mehr: Hunderte durchbrechen die Polizeiabsperrung und drängen sich von allen Seiten um das Flugzeug. Nachdem die erste Begeisterung abgeklungen ist, gewinnen die Polizeikräfte wieder die Oberhand und die angereisten Fluggäste können endlich aussteigen. Eigentlich sind drei Rundflüge über Aachen geplant, aber aufgrund der vorgerückten Stunde findet nur ein einziger statt, bevor er mit 26 Passagieren an Bord den Rückflug nach Köln antritt – zum großen Unmut derjenigen, die bereits Tickets gekauft hatten und sich den Kaufpreis nun von der Lufthansa zurück erstatten lassen müssen.
Quellen:
Junkers Archiv, Persönliches Notizbuch Hugo Junkers Nr. 192 S. 18397
Freie Presse vom 7.10.1932
Der Volksfreund – Aachener Generalanzeiger für Stadt und Land vom 7.10.1932
