Plastik statt Holz: Eine neue Ära
Taufe des neuen LVA- Hochleistungs-Segelflugzeugs Standard-Cirrus beim 25-jährigen Jubiläum des Vereins auf den Namen „Aachen“
Oberbürgermeister Kurt Malangré nimmt den Taufakt im Aachener Couven-Gymnasium höchstpersönlich vor. „Ich habe Respekt vor diesem schönen Hobby“, lobt das Stadtoberhaupt, nachdem er eine Pulle Schampus über der roten Nase des brandneuen Fliegers entleert hat. „Ich wünsche manchem Politiker jenen Weitblick, den die Piloten aus ihrer Kanzel haben.“ – was man bei solchen Gelegenheiten halt so sagt.

Mit dem Cirrus jedenfalls beginnt eine neue Ära: der konsequente Umbau des LVA-Flugzeugparks Richtung Kunststoffbauweise. Bis dahin waren sämtliche Vereinsflugzeuge in klassischer Holz- oder Gemischtbauweise gefertigt: Ka 6, Ka 7, Ka 8, ein L-Spatz 55, als Motorsegler ein Scheibe-Falke SF25C sowie als Schleppflugzeug Piper PA-18.
In den folgenden Jahren werden die guten alten Holz-Klassiker nach und nach abgeschafft und durch moderne leistungsfähige Glas- und Kohlefaser-Modelle ersetzt. Nur wenige Nostalgiker trauern den alten Schätzchen nach. Die Vorteile liegen auf der Hand: deutlich höhere Leistung, geringerer Wartungsaufwand bei insgesamt größerer Robustheit (vulgo: weniger Bruch).
Anders als in vielen Vereinen üblich, wird die teure Neuanschaffung vom LVA nicht wie ein Schatz gehütet und vor ambitionierten Überlandfliegern zurückgehalten: Der Cirrus ist ein Hochleistungsflugzeug und für den Streckenflug gemacht, Wettbewerbskennzeichen AC, nach dem Aachener Autokennzeichen (entsprechend dem NATO-Alphabet Alpha Charlie ausgesprochen).
„Der LVA war immer offen für den Leistungsflug“, erzählt Manfred Dick, seit den 1960ern LVA-Mitglied. „Man durfte Überland gehen. In vielen Vereinen war damals die Heilige Kuh eine Ka6 – die durfte nur am Platz fliegen. Nein, das war hier anders.“ Und mit dem neuen Cirrus erst recht: Schon im darauf folgenden Jahr gewinnt LVA-Nachwuchspilot Manfred Dick mit der AC die deutschen Jugendmeisterschaften. Mit dem Flieger verbinden ihn gute Erinnerungen: „Das war ein tolles Flugzeug, der Standard Cirrus.“

Die AC wird zur Ahnherrin einer langen Reihe von ebenso robusten wie leistungsstarken Kunststoffflugzeugen, bis heute eingesetzt zur Schulung wie zur Leistungs- und Wettbewerbsfliegerei. Bei den Einsitzern folgen auf den Cirrus mehrere Discus, ASW-15, LS1, LS 4, LS 6, LS 7, LS 8 und Libelle, Jeans-Astir und Astir CS , bei den Doppelsitzern ASK 21, Twin-Astir, DG500 und DuoDiscus. Bei den Flugzeugen mit eingebautem Lärm-Erzeuger dauert es etwas länge: Der als „Kuh“ verschriene Motorfalke wird 2008 von einer Super Dimona ersetzt (D-KUFP). Bei der Schleppmaschine dauert es sogar bis 2025, bis das treue Arbeitstier Robin DR-400 (Remorqeur) vom brandneuen Ultraleicht Bristell abgelöst wird.
Quellen:
Aachener Nachrichten vom 9.3.1975
Josef Knieper: Von Fliegern, Flugzeugen und Flugplätzen. 74 Jahre Luftsportverein Aachen e.V. (1950-1999), Aachen 2000
