Zurück zur Chronik
1931

Frühjahr

Aus allen Himmelsrichtungen: Sternflug nach Aachen

Gut für’s Renommee, schlecht für die Kasse – das erste internationale Fliegertreffen

Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
OriginalRestauriert
Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Die Piloten kommen aus (fast) ganz Europa, und der Sieger schwebt aus London ein: Knapp 40 Flugzeuge aus 5 Nationen landen am 16. Mai 1931 unter dem Beifall zahlreicher Zaungäste zum internationalen Fliegertreffen in Merzbrück ein. Glaubt man der Aachener Presse, ist es in ganz Deutschland das erste Treffen dieser Art. Der Sternflug wird sportlich ein voller Erfolg. Finanziell hat Ausrichter lange daran zu knabbern.

Einladung zum Internationalen Fliegertreffen in Aachen 1931 (Quelle: Stadtarchiv Aachen, SLG 119-232)
Einladung zum Internationalen Fliegertreffen in Aachen 1931 (Quelle: Stadtarchiv Aachen, SLG 119-232)

Die Piloten aus Deutschland, England, Frankreich, Holland und Belgien begeistern das Publikum mit gewagten Kunstflugfiguren und messen sich in Orientierungs-, Abwurf- und Ziellande- und Ballonramm-Wettbewerben. Das alles im „Geiste[…] der Verständigung und Annäherung zwischen den deutschen und Ausländischen Sportfliegern“ wie der Reporter des Westdeutschen Beobachters betont.

Der Sieger des Sternfluges heißt laut Presse Jackaman (vermutlich eher Jackman) und kommt aus London: in einer Flugzeit von 145 Minuten hat er die 440 Kilometer Luftlinie über den Nordseekanal bis Aachen bewältigt. Somit erreicht er mit seiner „eleganten und schnellen Motte“ (verm. De Havilland D.60 Moth) eine beachtliche Durchschnittsgeschwindigkeit von 185km/h. Neben einem Ehrenpreis erhält er wie alle Teilnehmer eine Erinnerungsplakette.

Für das Ereignis lässt sich der veranstaltende LVA nicht lumpen: Um Flieger nach Aachen zu locken, werden vom Verein für Wettbewerb und Rückflug laut offizieller Ausschreibung „Brennstoffe und Oel unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Kleinere Reparaturen werden kostenlos ausgeführt. Unterstellgebühren für die Flugzeuge werden von den Teilnehmern nicht erhoben. Die Beförderung der Teilnehmer zwischen Aachen und dem Flugplatz erfolgt kostenlos durch Sonderwagen.“ Neben dem Flugprogramm lädt der LVA zum Galadiner im Palasthotel Quellenhof. Auf dem Programm steht außerdem eine Rundfahrt durch Aachen samt Empfang im Rathaus durch den Oberbürgermeister.

Die zu tausenden aus der Region angereiste Schaulustigen wird dabei nicht vergessen, wie die Kurzeitung der Stadt „Bad Aachen“ schon im Vorfeld betont:

„Die Veranstalter, der Luftfahrtverein Aachen und die Akademische Fliegergruppe Aachen, haben ihr ganzes Augenmerk darauf gerichtet, daß das Publikum, unterstützt durch eingehende Erläuterungen am Lautsprecher, über alle Vorgänge während der Wettbewerbe genauestens im Bilde ist, und daß sich alle Veranstaltungen, wie Luftrennen, Luftgolf, Fallschirmabsprünge, Ballonrammen usw. unmittelbar vor den Augen der Zuschauermenge abspielen.“

Sportlich wie für das Publikum ein voller Erfolg, belastet die üppige Subventionierung des Fliegertreffens die Kasse des Luftfahrt-Vereins erheblich. Noch 1933 wird Vereinspräsident Scheuer in der Generalversammlung klagen, dass man „am finanziellen Misserfolg“ zwei Jahre zuvor schwer zu tragen habe.


Quelle:

Stadtarchiv Aachen, SLG 119-232

Westdeutscher Beobachter vom 31.10.1934