Zurück zur Chronik
1931

1. Mai

Verkehrsfluglinie Nr. 81: Von Aachen aus in die Welt

Aachen als Teil des deutschen und internationalen Linienverkehrs – das war eines der wichtigsten Ziele, die sich der Luftfahrt-Verein Aachen bei seiner Gründung gesetzt und seither kräftig für Merzbrück als Zubringerflughafen geworben hat. Fünf Jahre später scheint es endlich soweit zu sein: Am 1.5.1931 eröffnet die Lufthansa die Verkehrsfluglinie Nr. 81 (Aachen-Köln-Aachen). Der Westdeutsche Beobachter stellt zufrieden fest, dass dieser Tag „unserer Vaterstadt endlich den ersehnten Anschluß an das europäische Luftverkehrsnetz“ gelungen sei.  Doch die großen Hoffnungen, die mit Aachen als „Luftseestadt“ verbunden sind erfüllen sich schließlich nicht.

Flugzeug vor Schafherde: Die Junkers F13 auf dem Flugplatz Merzbrück. Die Konstruktion aus dem Jahr 1919 war nicht nur das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, sondern auch das Arbeitstier der frühen Lufthansa. Ein knappes Drittel der Flugzeugflotte von 162 Maschinen im Gründungsjahr 1926 entfällt auf diesen Flugzeugtyp, insgesamt 47 Maschinen. (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Flugzeug vor Schafherde: Die Junkers F13 auf dem Flugplatz Merzbrück. Die Konstruktion aus dem Jahr 1919 war nicht nur das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, sondern auch das Arbeitstier der frühen Lufthansa. Ein knappes Drittel der Flugzeugflotte von 162 Maschinen im Gründungsjahr 1926 entfällt auf diesen Flugzeugtyp, insgesamt 47 Maschinen. (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
OriginalRestauriert
Flugzeug vor Schafherde: Die Junkers F13 auf dem Flugplatz Merzbrück. Die Konstruktion aus dem Jahr 1919 war nicht nur das erste Ganzmetallflugzeug der zivilen Luftfahrt, sondern auch das Arbeitstier der frühen Lufthansa. Ein knappes Drittel der Flugzeugflotte von 162 Maschinen im Gründungsjahr 1926 entfällt auf diesen Flugzeugtyp, insgesamt 47 Maschinen. (Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Zum Auftakt am 1. Mai hat die Lufthansa eines ihrer größten Passagierflugzeuge geschickt, eine dreimotorige Junkers G24, das neben den beiden Piloten sage und schreibe 9 Passagiere aufnehmen kann. Der routinemäßige Flugverkehr wird aber von einer Junkers F13 bestritten – offenbar ist die Nachfrage eher überschaubar, so dass die vier Passagiersitze des ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeuges ausreichen.

Zur Pflege von Vorfeld, Start- und Landebahn schließt die Flughafengesellschaft m.b.H. Aachen mit dem Aachener Schafhalter Fritz Struwe einen Pachtvertrag über „den Grasaufwuchs des bei Merzbrück gelegenen Flugplatzes ca. 220 Morgen gross“. In §3 des Vertrages verpflichtet sich der Schäfer mitsamt seiner Bio-Rasenmäher, „die Grasnarbe in einem Zustande zu halten, der für den Flugplatzbetrieb als vorbildlich zu bezeichnen ist. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass die Grasnarbe stets gleichmässig und kurz bleibt.“ So bevölkern fliegendes Gerät, Schafe und Lufthansa-Passagiere auf dem Flugfeld in Merzbrück, und das offenbar friedlich und ohne gegenseitige Beeinträchtigung. (siehe Foto)

In den ersten Jahren verkehrt der Lufthansa-Liniendienst nur in den Sommermonaten, erst 1934 wird auf ganzjährigen Betrieb umgestellt. Profitabel ist die Strecke allerdings nie, die Städte Aachen und Köln, der preußische Staat sowie die Industrie- und Handelskammer übernehmen einen Großteil der Betriebskosten. Daran ändern auch Werbekampagnen nichts, wie solche in „Bad Aachen“, der städtischen Kurzeitung, in der regelmäßig Anzeigen erscheinen.

Wie lang die Lufthansa die Strecke Aachen-Köln betreibt, ist unklar. Trotz mehrfacher Anfragen sah sich das Lufthansa-Archiv nicht in der Lage, dazu eine Auskunft zu erteilen oder überhaupt nur zu antworten. Offenbar bleibt die Verkehrsfluglinie Nr. 81 trotz aller finanzieller Förderung unrentabel und wird irgendwann eingestellt. Vermutlich liegt der bereits etablierte Großflughafen in Köln-Butzweilerhof zu nah, um einen Zubringerdienst rentabel zu betreiben und andere Destinationen sind schlicht zu wenig gefragt.

Der ursprüngliche Traum des LVA jedenfalls , ein ganzes Netz von Linienflügen von und nach Aachen zu spinnen und die alte Kaiserstadt damit an den nationalen und internationalen Flugverkehr anzuschließen, ist damit ausgeträumt.

Motormaschinen auf dem Vorfeld in Merzbrück: (Foto: Stadtarchiv Aachen, FOTO 61-762)
Motormaschinen auf dem Vorfeld in Merzbrück ca. 1932 (Foto: Stadtarchiv Aachen, FOTO 61-762, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
OriginalRestauriert
Motormaschinen auf dem Vorfeld in Merzbrück ca. 1932 (Foto: Stadtarchiv Aachen, FOTO 61-762, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Quellen:

Kurzeitung Bad Aachen, Stadtarchiv Aachen, CZ100 [1931]

Westdeutscher Beobachter vom 31.10.1934

Echo der Gegenwart vom 31.10.1931

Stadtarchiv Aachen, FIR 10-2