21. Juli
Es geht wieder los!


Merzbrück wird vom Ministerium für Wirtschaft und Verkehr NRW für Segelflug zugelassen. Die Flugwissenschaftliche Vereinigung (FVA) pachtet das Gelände und beginnt zusammen mit Mitgliedern des LVA und anderen Vereinen, den Schutt der zerstörten Startbahnen zu beseitigen. Eine Halle oder andere Gebäude existieren nicht mehr. Als Provisorium wird eine sogenannte Nissenhütte aufgebaut.

Benannt nach dem britisch-amerikanischen Ingenieur und Offizier Peter Norman Nissen, handelt es sich um eine Wellblechhütte in Fertigbauweise mit einem halbrunden Dach, das bis zum Boden reicht, und von einem leichten Holz- oder Metallgerüst getragen wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten solche Hütten oft als Notunterkünfte für Flüchtlinge oder ausgebombte Stadtbewohner. Allerdings sind sie nicht für Segelflugzeuge gemacht, schon gar nicht für aufgerüstete. Das bedeutet, dass sämtliches fliegendes Material an jeden Flugtag morgens auf- und abends wieder abgerüstet werden muss, auch der mit Drähten verspannte Schulgleiter SG38 – ein mühseliges Unterfangen, wie LVA-Mitglied Manfred Schultz zu berichten weiß, müssen Tragflügel und Leitwerk doch aufwendig mit Drähten verspannt werden:
„Man hatte einen Turm oben am Rumpf und daran wurden mit Spanndrähten und Spannschloss die Einstellung vorgenommen. Da stand dann der Fluglehrer davor und musste gucken, dass die Flächen richtig gerade waren. Und dann machten die auch noch immer an den Stahlseilen eine Klangprobe, wie bei einem ein Musikinstrument, die hörten also am Klang, ob das die richtige Spannung hatte. Und wenn das alles in Ordnung war, dann musste der Fluglehrer den ersten Start machen.“
Der Segelflugbetrieb beginnt mangels Winde mit Gummiseilstarts und mangels Hanglage mit bescheiden Hüpfern auf dem Schulgleiter SG38. Der LVA besitzt zu diesem Zeitpunkt kein eigenes Flugzeug, erst 1954 wird das erste eigene Flugzeug angeschafft werden, ein Rhönbussard. Bis dahin sind die Segelflieger angewiesen auf die Mitnutzung des Fluggeräts anderer ansässiger Vereine. Das sind neben der SG38 zwei Baby II b, ein Rhönbussard und ein L- Spatz 55. Wie die in die Luft kommen, ist nicht ganz klar, denn Motorflug und damit Flugzeugschlepps sind noch nicht wieder erlaubt.


