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1956

Wanderzirkus LVA, Teil I

Im Februar 1956 übernehmen belgische Militärflieger den Flugplatz Merzbrück: Das 1. Belgische Fliegercorps zieht mit der Hubschrauberstaffel ein und beginnt Flugtraining mit ihren leichten Alouette-Helikoptern. Zunächst bleibt die zivile Nutzung des Platzes erlaubt, doch wenige Monate darauf entzieht der belgische Kommandant die Genehmigung – „ohne Begründung“, wie es in einer Flugplatzchronik heißt. Die Vereine am Platz sehen sich genötigt, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen, um in der Region in die Luft zu kommen.

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Landung des Rhönbussard auf der Dahlemer Binz (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

In den folgenden Monaten und Jahren zieht der LVA wie ein Wanderzirkus von Flugplatz zu Flugplatz und sucht nach einer Bleibe im In- und Ausland: Genk, Spa, Zonhoven und St. Hubert in Belgien dienen als Ausweichplätze. Sie bleiben ebenso Episode wie Kirchberg bei Jülich, die Drover Heide bei Düren, Dedenborn bei Simmerath und die Dahlemer Binz. Bisweilen kehrt man sogar zum guten alten Gummiseilstart zurück mit Gastspielen des SG38 auf dem Hügel in Orsbach (Laurensberg).

Baby zwischen Bombern

Eine zwischenzeitliche Heimat findet der Verein auf dem Fliegerhorst Teveren bei Geilenkirchen, wo das Verhältnis zu den dort stationierten britischen Piloten sehr harmonisch ist. Man hilft sich gegenseitig: LVA-Mitglieder reparieren einige konfiszierte Segelflugzeuge für die Briten, so erinnert sich Vereinsmitglied Günther Lücker: „Wir haben den Jetpiloten Segelflugzeuge wieder klargemacht. Und dafür bekamen wir dann ein [Grunau] Baby und wir bekamen einen Rhönbussard von den Engländern. Und die Engländer flogen mit uns an der Winde.“ Als Rückholfahrzeug für das Windenseil dient in dieser Zeit ein Horex-Geländemotorrad.

Der britische Militärflughafen Teveren in den 1950er Jahren aus der Luft (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Die Flugzeuge dürfen unter der Woche aufgerüstet in den großen Hangars zwischen den britischen Canberra-Bombern parken, ebenso die Winde (Manfred Schultz: „Das wäre beim deutschen Militär nie möglich gewesen“). Versorgt werden die Segelflieger ebenfalls vom britischen Kommiss, erzählt Manfred: „Wir schliefen in den Kasernen und konnten die Kantine für Frühstück, Mittagessen und Abendessen mit benutzen. In der Kasernen-Kantine erhalten sie preiswert Frühstück, Mittag- und Abendessen.“

Die ursprünglich nicht selbst fahrende Winde wird schließlich auf einen LKW montiert. Ein amtliches Kennzeichen oder gar eine TÜV-Zulassung hat sie nie. Der Transport zu auswärtigen Plätzen erfolgt meist nachts (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Doch zu Beginn der 1960er zieht der LVA weiter zum Stolberger Segelfluggelände Diepenlinchen. Erst im Jahr 1962 kehrt der Flugbetrieb nach Merzbrück zurück. Andere Vereine sind da längst wieder am Platz aktiv. Bereits 1957 hatte die FVA beim Commandant du Place Eschweiler eine befristete Genehmigung zur Wiederaufnahme des Flugbetriebes erwirkt und 1958 mit der Bundesrepublik einen „Gestattungsvertrag“ geschlossen, durfte also bereits wieder in Merzbrück fliegen. Warum dauert es so lang, bis auch der LVA an seinen Heimatplatz zurück kehrt? Weil der LVA keine Schleppmaschine besitzt, am Platz aber ausschließlich F-Schlepp erlaubt ist, kein Windenbetrieb. Das wiederum hat mit dem Anlass für den Rausschmiss zu tun. Denn der war 1956 keineswegs so „grundlos“, wie Zeitungsberichte und spätere Vereins- und Flugplatzchroniken behaupten.

Vorhalten!

War der Seitenwind einfach zu stark oder hat da jemand nicht richtig vorgehalten? Jedenfalls waren bei einem Seilriss Vorseil, Schirm und Teile des Windenseils auf einer Stromleitung gelandet, welche die Kaserne der Belgier versorgte und einen kompletten Stromausfall verursachte. So erinnert sich LVA-Veteran Manfred Schultz an die Ereignisse. Der Zorn auf die unberechenbaren Segelflieger war offenbar so groß, dass der Kommandant nicht nur Windenbetrieb untersagte, sondern den kompletten Segelflug.

esuch von Aerodynamik-Professor und LVA-Ehrenmitglied Theodore Kármán (2. vl.) in Aachen im Juli 1960, rechts: Helmut und Ria Schultz. Kármán war seit der Gründung des Luftfahrt-Vereins Aachen ein großer Unterstützer des LVA und wurde nach der Wiedergründung zum Ehrenmitglied des LVA ernannt. (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
Besuch von Aerodynamik-Professor und LVA-Ehrenmitglied Theodore Kármán (2. vl.) auf dem Segelfluggelände Diepenlinchen im Juli 1960, rechts: Helmut und Ria Schultz. Kármán war seit der Gründung des Luftfahrt-Vereins Aachen ein großer Unterstützer des LVA und wurde nach der Wiedergründung zum Ehrenmitglied des LVA ernannt. (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
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Besuch von Aerodynamik-Professor und LVA-Ehrenmitglied Theodore Kármán (2. vl.) auf dem Segelfluggelände Diepenlinchen im Juli 1960, rechts: Helmut und Ria Schultz. Kármán war seit der Gründung des Luftfahrt-Vereins Aachen ein großer Unterstützer des LVA und wurde nach der Wiedergründung zum Ehrenmitglied des LVA ernannt. (Foto: Luftsportverein Aachen e.V. Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)