Seilwinde, Marke Eigenbau
Motorflug und damit Flugzeugschlepp ist weiterhin verboten und wird erst 1955 wieder erlaubt werden. Gummiseilstarts wiederum sind mangels ausreichendem Gefälle in Merzbrück recht freudlos. Eine Seilwinde muss her! Aber wie das Meiste in der Nachkriegszeit, gibt es Winden nicht von der Stange zu kaufen, sie muss in Eigenleistung gebaut werden.

Die beiden LVA-Mitglieder Josef Schröder und Heinz Peters machen sich 1953 ans Werk. Sie konstruieren die Winde so, dass sie von Hand bewegt werden kann: als kleine Eintrommelwinde und auf einem Anhänger. Vor und nach dem Flugbetrieb muss die Winde per Muskelkraft über die Landstraße zum Einsatzort geschoben und gezogen werden (und danach wieder zurück). Auch der Seilauszug erfolgt manuell. Der Grund: Erst gibt es keinen Lepo, und als es einen gibt, verbieten die Belgischen Militärs als Platzherrn das Befahren mit dem Auto.
Weil das auf die Dauer recht mühsam ist, entwickeln Studenten der FVA eine Seilrückholwinde: Ein dünnes Stahlseil wird vorn am Fallschirm eingehakt. Beim Start wird es ausgezogen und, sobald das Seil am Boden ist, vom Start aus auf eine Trommel aufgespult, das Startseil so zurück gezogen. Das spart viel Laufarbeit, ist aber im regulären Betrieb reparaturanfällig und kostet durch das zusätzliche Gewicht Schlepphöhe. Es ist nicht ganz klar, wie lang die Seilrückholwinde eingesetzt wird, aber offensichtlich setzt sie sich nicht durch.

In den folgenden Jahren wird die Winde – wie das Fluggerät – von allen Vereinen am Platz gemeinsam genutzt. Geflogen wird zunächst ausschließlich auf Einsitzern. Geschult wird deshalb weiter wie vor dem Krieg auf dem Schulgleiter 38, und zwar in fünf Schritten. Jeden Schritt muss der Flugschüler (soweit bekannt, gab es damals keine Flugschülerinnen) beherrschen, um den nächsten Schritt machen zu dürfen:
1. Querlage halten (statisch bei starkem Gegenwind)
2. Rutscher (Kufe bleibt am Boden)
3. Sprung (Schlepp bis auf 15-20 Meter Höhe, Landung geradeaus)
4. S-Voraus (etwas höherer Schlepp, Schlenker links, Schlenker rechts, Landung vor Winde)
5. Hochstart (Schlepp auf volle Höhe und Platzrunde)
„Die Platzrunde verlief innerhalb der Platzgrenzen“, erinnert sich Manfred Schultz, „denn der Gleitwinkel des SG38 war 1:Plumps. Für eine Sensation sorgte Joschi Stelzen, als er nach dem Ausklinken, in der Thermik einen Vollkreis flog.“ Manfred erinnert sich nicht mehr, wie viele Start pro Flugtag gemacht wurden, aber „es können nicht viele gewesen sein, denn zwischendurch streikte die Winde, es gab viele Seilrisse und immer wieder kleine Brüche.“


