F-Schlepp mit Tiger Moth (Foto: Günther Lücker. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Lokalderby

Im Frühjahr findet das erste „Aachener Vergleichsfliegen“ statt. Bereits die erste Ausgabe wird zum Erfolg: Verteilt über drei Wochenenden messen sich 55 Segelflieger aus der Aachener Region.
Die Zahl der Anmeldungen liegt meist deutlich über der Zahl freier Plätze. Das liegt am Konzept des Vergleichsfliegens: ein niedrigschwelliges Angebot für Neulinge im Streckenflug und eine Art Familientreffen für alte Hasen

Luftaufnahme Merzbrück ca. 1960 (Foto: Günther Lücker)

Rückkehr nach Merzbrück

Es sind zwar keine biblischen 40 Jahre, die das Fliegervolk heimatlos durch die Wüste irrt, aber immerhin sechs. Nun aber geht es endlich zurück! Der LVA ist spät dran, andere Vereine wie die Akaflieger von der FVA haben schon vor Jahren mit den Belgiern entsprechende Vereinbarungen getroffen. Dem LVA aber fehlte bis dahin die wichtigste Voraussetzung: eine Schleppmaschine, denn Windenbetrieb ist nach wie vor verboten auf Merzbrück. Zunächst mit einer geliehenen Tiger Moth, dann mit einer eigenen nimmt der Verein den regulären Schul- und Flugbetrieb wieder auf. Doch das Fliegerglück ist von kurzer Dauer.

Zur aerodynamischen Optimierung der Tragflächenoberfläche haben die Konstrukteure auf klassische Bremsklappen verzichtet und die HKS3 mit einem Bremsfallschirm ausgestattet – ein Novum im Segelflugzeugbau. Hinter der Tragfläche am Rumpf gut zu erkennen: Lüftungsschlitze, die für einen steten Unterdruck im Innern sorgen und so ebenfalls den Luftwiderstand außen reduzieren. (Foto: Luftsportverein Aachen. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Weltklasse!

Bei der Segelflug-WM in Polen gewinnt LVA-Mitglied Ernst Günter Haase mit großem Abstand und wird Weltmeister in der offenen Klasse. Sein Flugzeug: die in Herzogenrath entwickelte und gebaute HSK 3 (HSK = Haase-Kensche-Schmetz). Sie ist das Gesprächsthema beim Wettbewerb und jeden Tag umringt von Neugierigen. Kein Wunder: Einziehfahrwerk, Wölbklappen und Bremsfallschirm sind nur drei der Weltneuheiten, mit denen die Maschine aufwartet.

(Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH)

Fliegen unterm Hakenkreuz

Auf die Gleichschaltung der der Vereine folgt die Militarisierung der gesamten Luftfahrt. Auch und gerade die Segelfliegerei ist davon betroffen, weil es damit möglich ist, die Jugend anzusprechen und für den Nationalsozialismus zu begeistern. Die wenigsten Flieger scheinen damit ein Problem zu haben. Die Vereinnahmung funktioniert auch deshalb so gut, weil die Fliegerei aufgrund ihrer Wichtigkeit für die Aufrüstung großzügig alimentiert wird. Und so entfaltet auch die Aachener Fliegergruppe zahlreiche Aktivitäten, im Dienst des Fliegergedankens gleichermaßen wie im Dienst der NS-Propaganda.

Gummimotor: Modellfluggruppenleiter Helmut Richter beim Aufziehen. Das Gewicht des verwendeten Gummis darf nicht größer als 30 Gramm sein

Meisterhafte Modellflieger

Bei den Deutschen Meisterschaften auf dem Flugplatz in Fritzlar siegt LVA-Mitglied Roland Eisen in der sogenannten Wakefield-Klasse. Seinen Erfolg wird er bei den darauf folgenden DM sogar wiederholen können: In Kassel-Waldau führt er ebenfalls in der Wakefield-Klasse und startet 1963 sogar bei der WM in Wiener Neustadt.

Wanderzirkus LVA, Teil I

Im Februar 1956 übernehmen belgische Militärflieger den Flugplatz Merzbrück. Bereits zwei Jahre zuvor hatte die Besatzungsmacht das Gelände offiziell beschlagnahmt und mit dem Bau von Kasernen und anderen militärischen Gebäuden begonnen. Nun zieht das 1. Belgische Fliegercorps zwecks Flugtraining mit einige Piper Pa18 ein, später folgt eine Hubschrauberstaffel. Zunächst bleibt die zivile Nutzung des Platzes erlaubt, doch wenige Monate darauf entzieht der belgische Kommandant die Genehmigung – „ohne Begründung“. Die Vereine am Platz sehen sich genötigt, sich nach anderen Möglichkeiten umzuschauen, um in der Region in die Luft zu kommen.

Seilwinde, Marke Eigenbau

Motorflug und damit Flugzeugschlepp ist weiterhin verboten und wird erst 1955  wieder erlaubt werden. Gummiseilstarts wiederum sind mangels ausreichendem Gefälle in Merzbrück recht freudlos. Eine Seilwinde muss her! Aber wie das Meiste in der Nachkriegszeit, gibt es Winden nicht von der Stange zu kaufen, sie muss in Eigenleistung gebaut werden.

Es geht wieder los!

Merzbrück wird vom Ministerium für Wirtschaft und Verkehr NRW für Segelflug zugelassen. Die Flugwissenschaftliche Vereinigung (FVA) pachtet das Gelände und beginnt zusammen mit Mitgliedern des LVA und anderen Vereinen, den Schutt der zerstörten Startbahnen zu beseitigen. Eine Halle oder andere Gebäude existieren nicht mehr. Als Provisorium wird eine sogenannte Nissenhütte aufgebaut.

„Heimweh nach Freiheit“ – Der neue LVA

Wiedergründung des LVA im Restaurant „Aachener Bürgerbräu“, diesmal als Luftsport-Verein Aachen e.V. Bereits am Gründungsabend unterschreiben 68 Interessenten die Beitrittserklärung. In den kommenden Monaten wird die Zahl der Mitglieder auf 194 ansteigen. Allerdings müssen sie sich noch in Geduld üben, denn jenseits von Modellflug ist die Fliegerei im Nachkriegsdeutschland verboten.

Kriegsjahre

Mit Kriegsbeginn ist die private, zivile Luftfahrt praktisch untersagt. Der Flugplatz Merzbrück wird vom Reich beschlagnahmt und zum Feldflughafen erklärt. Auch eine Flugabwehrstellung wird dort eingerichtet. Kommandant des Flugplatzes wird später der erste Nachkriegs-Vorsitzende des LVA.