Merzbrück aus der Luft im Jahr 1931 (Foto: Stadtarchiv Aachen Foto 61-763 SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Aus allen Himmelsrichtungen: Sternflug nach Aachen

Auf Einladung des LVA kommen in Merzbrück zum ersten Mal fast 40 Flugzeuge aus dem In- und Ausland zusammen, zwei Tage lang und im „Geiste[…] der Verständigung und Annäherung zwischen den deutschen und Ausländischen Sportfliegern“, wie die Presse schreibt – , Stadtrundfahrt, Galadiner und Empfang beim Oberbürgermeister inklusive.

Ehrung auf großer Bühne: Hans-Josef Bülles vom Stadtsportverband Würselen (links)und Bürgermeister Roger Nießen (rechts) überreichten Urkunden und Medaille an das Bundesliga-Team (v.l.n.r.): Max Klomp, Lukas Pirig, Wilhelm Alexander Klomp, Nils Landmesser (weitere Teammitglieder: Kevin Lippold, Linus Baur, Alexander Treptow)

Ausgezeichnete Leistung

Im Januar ehrt die Stadt Würselen die Juniorenmannschaft des Segelflugzentrums Aachen (SFZ) mit Sportler-Medaille. Die Nachwuchs-Piloten hatten in den beiden Jahren zuvor einen guten Lauf und landeten nach heiß umkämpften 18 Wertungstagen in der Deutschen Segelflug-Bundesliga 2023 auf dem ersten, 2024 auf dem zweiten Rang. Bei der Preisverleihung in der Aula der Würselener Gesamtschule waren die Segelflieger die Exoten unter den Geehrten und viele der Anwesenden Gäste sichtlich erstaunt darüber, dass Segelfliegen nicht nur ein Freizeitvergnügen, sondern Leistungssport sein kann.

Verhinderter Hallenbau: Ein Sturm macht dem Projekt LVA-Halle kurzzeitig einen Strich durch die Rechnung (Foto: Günther Lücker)

Eine Flugzeughalle für den LVA

Die Landeshalle aus den 1950er Jahren bietet zu wenig Platz für den wachsenden Flugzeugpark. Der erste Versuch vereinseigenen Hallenbaus wird allerdings von einem Sturm zunichte gemacht: Noch bevor die Tore installiert sind, greift eine kräftige Windböe unter das Hallendach, hebt die Holzpfosten aus der Verankerung und dreht die gesamte Konstruktion um 180 Grad, sodass das Dach hinter dem Bauplatz umgedreht zum Liegen kommt. Der zweite Versuch mit Betonfundamenten zwei Monate später hält zum Glück – bis heute.

Die neue Elektrowinde ESW 2B. Der Strom kommt aus der Steckdose und wird gesponsert. Damit kommen die Aachener Segelflieger nachhaltig und umweltfreundlich in die Luft (Foto: Rudi Mathar)

Zurück zu den Anfängen: Merzbrück wird wieder Windenplatz

Zu Beginn der 1950er begann der reguläre Segelflugbetrieb in Merzbrück mit einer selbst gebauten Winde. Sieben Jahrzehnte später ist es wieder soweit, nur ist die Winde diesmal elektrisch (und gekauft): Taufe der blitzneuen ESW-2B. Die neue, lange Startbahn macht’s möglich. Die neue/alte Startart bedeutet einen Schub für den Segelflug in Aachen, vor allem für den Schulbetrieb. Damit kommen die Aachener Segelflieger umweltfreundlich und nachhaltig in die Luft.

Bauarbeiten zur Verlegung und Verlängerung der Landebahn auf 1100 Meter. Aus der 26 wird die 25 und aus der 08 die 07 (Foto: Rudi Mathar)

Wanderzirkus LVA, Teil II

Beginn der Bauarbeiten am Flugplatz Aachen Merzbrück – und Ende einer (fast) unendlichen Geschichte: Bereits 1968 hatte der Aachener Stadtrat beschlossen, den Flugplatz Merzbrück zum Flughafen auszubauen mit einer 1850 Meter langen Start- und Landebahn. Ruckzuck, 55 Jahre später, rollen denn auch die Bagger. Zwei Jahre werden die Arbeiten dauern – so lang sind der LVA und die Nachbarvereine gezwungen, auf Wanderschaft zu gehen – wieder einmal.

(Foto: Sybille Krummacher)

Stürmisches Déja-Vu

So etwas hatten wir doch schon mal! Am 18. und 19. Januar wütet der Orkan Kyrill über Deutschland und richtet vielerorts massive Schäden an – auch der LVA bleibt davon nicht verschont: Die Garagen für die Flugzeuganhänger neben dem Clubheim werden vom Sturm angehoben und landen auf dem Parkplatz dahinter – ähnlich wie Anno 1969 das Dach der brandneuen LVA-Halle. Anhänger und Fluggerät kommen zum Glück glimpflich davon: Abgesehen von Kratzern und Dellen bleibt das meiste weitgehend unversehrt.

(Foto: Verein für Integrative Jugendcamps e.V.)

Abenteuerwochenende auf dem Flugplatz

30 Jugendliche aus der Aachener Region nehmen am ersten Sommerferien-Wochenende am ersten Integrativen Jugendcamp teil – und dürfen (wenn sie wollen) einmal mit dem Segelflugzeug über ihrer Heimat kreisen. Seitdem ist das Jugendcamp zum regelmäßigen, jährlichen Event geworden.

Von Igeln und Hasen: Vergleichsfliegen wird EuregioCup

Nachdem im Jahr zuvor das 35. Aachener Vergleichsfliegen durchgeführt wurde, startet in diesem Jahr die erste Auflage des EuregioCups. Mit leicht geänderten Regeln aber im gleichen Geist. Organisiert wird der jährliche Wettbewerb von Hajo Machetanz, der in den Jahren zuvor selbst fleißig und oft vorn beim Vergleichsfliegen mitgeflogen ist. Der Name ändert sich, ebenso der Durchführungszeitraum: Statt verteilt über mehrere Wochenenden gibt es nun maximal fünf Wertungstage hintereinander. Das erlaubt auch die Teilnahme von auswärtigen Piloten mit langer Anreise. Viele nehmen die Gelegenheit wahr und so wird aus dem Regional-Deby ein familiärer Wettbewerb mit Piloten aus ganz Deutschland und den Niederlanden, darunter auch immer wieder deutsche, Europa- und Weltmeisterschaftsteilnehmer.

Vereinsinternes Diplom mit dem Höhenschrieb des 1000-Kilometer-Fluges nach Paris am 5. Mai 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen (Quelle: Luftsportverein Aachen e.V.)

Die magische 1000

Auch heute noch is es eine große Herausforderung und für jeden Streckenpiloten ein Traum : das 1000er Dreieck. LVA-Pilot Manfred Dick erfüllt ihn sich 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen und ist damit nach über 10 Jahren der zweite Pilot überhaupt, der diese Strecke von deutschem Boden aus startet und vollendet. Mit seinem Co Herbert Zimmerman fliegt er in einer ASH25 von Merzbrück aus nach Sens südlich von Paris, dann nach Solingen und wieder zurück – und legt damit insgesamt über 1000 Kilometer zurück. Die ungewöhnliche Wetterlage macht es möglich: „Das war unglaublich“, erinnert sich Manfred Dick.

Stein für Stein: Letzte Arbeiten vor dem neuen LVA-Jugendheim (Foto: Günther Lücker)

Ein Heim für die Fliegerjugend

Nach zwei Jahren Bauzeit wird das LVA-Jugendheim eingeweiht. Der Bau geht auf die Initiative des Ersten Vorsitzenden Hermann-Josef Kirch zurück, dem das jahrzehntealte Provisorium, der altersschwache Eisenbahnwaggon, schon länger ein Dorn im Auge war. Unter dem Motto „Im Mittelpunkt steht die Jugend“ wird der Neubau großzügig geplant und zu einem großen Teil in Eigenleistung errichtet. Das ändert nichts daran, dass die Baukosten irgendwann über dem geplanten Budget liegen. Vorsitzender Kirch und Geschäftsführer Manfred Dick springen ein und finanzieren den Fehlbetrag.