Wanderzirkus LVA, Teil II

Beginn der Bauarbeiten am Flugplatz Aachen Merzbrück – und Ende einer (fast) unendlichen Geschichte: Bereits 1968 hatte der Aachener Stadtrat beschlossen, den Flugplatz Merzbrück zum Flughafen auszubauen mit einer 1850 Meter langen Start- und Landebahn. Ruckzuck, 50 Jahre später, rollen denn auch die Bagger. Zwei Jahre werden die Arbeiten dauern – so lang sind der LVA und die Nachbarvereine gezwungen, auf Wanderschaft zu gehen – wieder einmal.

(Foto: Sybille Krummacher)

Stürmisches Déja-Vu

So etwas hatten wir doch schon mal! Am 18. und 19. Januar wütet der Orkan Kyrill über Deutschland und richtet vielerorts massive Schäden an – auch der LVA bleibt davon nicht verschont: Die Garagen für die Flugzeuganhänger neben dem Clubheim werden vom Sturm angehoben und landen auf dem Parkplatz dahinter – ähnlich wie Anno 1969 das Dach der brandneuen LVA-Halle. Anhänger und Fluggerät kommen zum Glück glimpflich davon: Abgesehen von Kratzern und Dellen bleibt das meiste weitgehend unversehrt.

(Foto: Verein für Integrative Jugendcamps e.V.)

Abenteuerwochenende auf dem Flugplatz

30 Jugendliche aus der Aachener Region nehmen am ersten Sommerferien-Wochenende am ersten Integrativen Jugendcamp teil – und dürfen (wenn sie wollen) einmal mit dem Segelflugzeug über ihrer Heimat kreisen. Seitdem ist das Jugendcamp zum regelmäßigen, jährlichen Event geworden.

Von Igeln und Hasen: Vergleichsfliegen wird EuregioCup

Nachdem im Jahr zuvor das 35. Aachener Vergleichsfliegen durchgeführt wurde, startet in diesem Jahr die erste Auflage des EuregioCups. Mit leicht geänderten Regeln aber im gleichen Geist. Organisiert wird der jährliche Wettbewerb von Hajo Machetanz, der in den Jahren zuvor selbst fleißig und oft vorn beim Vergleichsfliegen mitgeflogen ist. Der Name ändert sich, ebenso der Durchführungszeitraum: Statt verteilt über mehrere Wochenenden gibt es nun maximal fünf Wertungstage hintereinander. Das erlaubt auch die Teilnahme von auswärtigen Piloten mit langer Anreise. Viele nehmen die Gelegenheit wahr und so wird aus dem Regional-Deby ein familiärer Wettbewerb mit Piloten aus ganz Deutschland und den Niederlanden, darunter auch immer wieder deutsche, Europa- und Weltmeisterschaftsteilnehmer.

Vereinsinternes Diplom mit dem Höhenschrieb des 1000-Kilometer-Fluges nach Paris am 5. Mai 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen (Quelle: Luftsportverein Aachen e.V.)

Die magische 1000

Auch heute noch ist es eine große Herausforderung und für jeden Streckenpiloten ein Traum : das 1000er Dreieck. LVA-Pilot Manfred Dick erfüllt ihn sich 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen und ist damit nach über 10 Jahren der zweite Pilot überhaupt, der diese Strecke von deutschem Boden aus startet und vollendet. Mit seinem Co Herbert Zimmerman fliegt er in einer ASH25 von Merzbrück aus nach Sens südlich von Paris, dann nach Solingen und wieder zurück – und legt damit insgesamt über 1000 Kilometer zurück. Die ungewöhnliche Wetterlage macht es möglich: „Das war unglaublich“, erinnert sich Manfred Dick.

Stein für Stein: Letzte Arbeiten vor dem neuen LVA-Jugendheim (Foto: Günther Lücker)

„Im Mittelpunkt steht die Jugend“ – das neue Clubheim

Nach zwei Jahren Bauzeit wird das LVA-Jugendheim eingeweiht. Der Bau geht auf die Initiative des Ersten Vorsitzenden Hermann-Josef Kirch zurück, dem das jahrzehntealte Provisorium, der altersschwache Eisenbahnwaggon, schon länger ein Dorn im Auge war. Unter dem Motto „Im Mittelpunkt steht die Jugend“ wird der Neubau großzügig geplant und zu einem großen Teil in Eigenleistung errichtet.

(Foto: Günther Lücker)

Plastik statt Holz: Eine neue Ära

Taufe des neuen LVA- Hochleistungssegelflugzeugs Standard-Cirrus beim 25-jährigen Jubiläum des Vereins durch Aachens Oberbürgermeister Kurt Malangré – natürlich auf den Namen „Aachen“. Mit dem Cirrus beginnt der konsequente Umbau des LVA-Flugzeugparks. In den folgenden Jahren werden nach und nach sämtliche Holzflugzeuge durch moderne Modelle aus Glas- und Kohlefaser ersetzt. Bis heute folgen bei den Einsitzern mehrere Jeans-Astir, Astir CS und Discus, LS1, LS 4, LS 7, LS 8 und Libelle, bei den Doppelsitzern ASK 21, DG500 und DuoDiscus.

Kräftiger Schluck aus der Pulle: Empfang des Deutschen Meisters Manfred Dick in Merzbrück nach seinem DM-Sieg. (Foto: Manfred Dick)

Nachwuchsstar mit „Superorchidee“: LVA feiert Deutschen Meister

LVA-Mitglied Manfred Dick siegt bei den Deutschen Meisterschaften in Bückeburg in der Offenen Klasse. Sein Flugzeug – ein Nimbus 2 – wurde ihm von „der Gräfin“ zur Verfügung gestellt, einer französischen Adeligen mit Spaß am Segelflug. Über Jahrzehnte fördert sie Nachwuchspiloten, indem sie ihnen saisonal Hochleistungsflugzeuge lieh. So kommt es, dass Manfred Dick im zarten Alter von 25 eine solche „Superorchidee“ fliegen darf. Und er macht was draus: Er verweist die Platzhirsche Klaus Holighaus und Bruno Gantenbrink auf die Plätze. Niemand hat mit dem Jungspund gerechnet, nicht einmal das ZDF, das damals ausführlich über den Wettbewerb berichtet. Bis heute ist er der jüngste Pilot, der jemals die Offene Klasse in Deutschland gewonnen hat. 

F-Schlepp mit Tiger Moth (Foto: Günther Lücker. SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)

Lokalderby

Im Frühjahr findet das erste „Aachener Vergleichsfliegen“ statt. Bereits die erste Ausgabe wird zum Erfolg: Verteilt über drei Wochenenden messen sich 55 Segelflieger aus der Aachener Region.
Die Zahl der Anmeldungen liegt meist deutlich über der Zahl freier Plätze. Das liegt am Konzept des Vergleichsfliegens: ein niedrigschwelliges Angebot für Neulinge im Streckenflug und eine Art Familientreffen für alte Hasen

Luftaufnahme Merzbrück ca. 1960 (Foto: Günther Lücker)

Rückkehr nach Merzbrück

Es sind zwar keine biblischen 40 Jahre, die das Fliegervolk heimatlos durch die Wüste irrt, aber immerhin sechs. Nun aber geht es endlich zurück! Der LVA ist spät dran, andere Vereine wie die Akaflieger von der FVA haben schon vor Jahren mit den Belgiern entsprechende Vereinbarungen getroffen. Dem LVA aber fehlte bis dahin die wichtigste Voraussetzung: eine Schleppmaschine, denn Windenbetrieb ist nach wie vor verboten auf Merzbrück. Zunächst mit einer geliehenen Tiger Moth, dann mit einer eigenen nimmt der Verein den regulären Schul- und Flugbetrieb wieder auf. Doch das Fliegerglück ist von kurzer Dauer.