Der Luftsportverein Aachen blickt auf eine lange Fliegertradition zurück: Mitte Juli 1926 gründet eine illustre Runde Aachener Geschäftsleute den Luftfahrt-Verein Aachen e.V., kurz LVA. Mit dem Vorgänger des heutigen Luftsportvereins soll zum einen der Luftsport voran gebracht werden. Im Vordergrund aber steht die Förderung des modernen Verkehrsmittels Flugzeug und der Anschluss der alten Kaiserstadt an das internationale „Luftmeer“. Eine Online-Chronik beleuchtet die wichtigstes Stationen der bewegten Vereinsgeschichte.

In den 1920er Jahren gelten Flugzeuge als Verkehrsmittel der Zukunft. Überall in Deutschland rufen Flugbegeisterte deshalb Flugsport- und Luftfahrtvereine ins Leben. Aachen aber denkt größer: Der neue Verein zur „Förderung der Luftfahrt auf allen Gebieten unter besonderer Berücksichtigung der Belange des Aachener Bezirks“ (§1 der Vereinssatzung) soll ein großer Aufschlag werden, und so berichten die Lokalzeitungen in ganzseitigen Artikeln, wie sich am 15. Juli 1926 im „weißen Saale der Erholung“ führende Persönlichkeiten aus der lokalen Wirtschaft, Politik und Verwaltung einfinden, um den Luftfahrt-Verein Aachen e. V. (LVA) zu gründen. Die Vorstandsposten sind prominent besetzt: Gründungspräsident wird Konteradmiral a.D. Otto Kranzbühler, während des 1. Weltkriegs Kommandeur der Heeresflieger. Zum ersten geschäftsführenden Vorsitzenden wird der Flugpionier und Weingroßhändler Otto Nagel (Nagel&Hoffbaur) gewählt. Weiterhin im Vorstand vertreten: Waggonbauer Georg Talbot, der Chef des Auto- und Motorenherstellers Fafnir Carl Springsfeld, der beigeordnete Bürgermeister und stellvertretende Aachener Polizeipräsident Ludwig Scheuer, sowie der Generaldirektor des Eschweiler Bergwerksvereins Heinrich Westermann.
Der Grund für so viel Lokalprominenz liegt in der wachsenden Bedeutung der Luftfahrt. Flugzeuge und Luftschiffe gelten als zukunftsträchtige Schlüsseltechnologien und als wichtiger Wirtschaftsmotor, zumal Aachen mit der RWTH in der technischen Erforschung der Luftfahrt ganz vorn mitspielt. Das Ziel ist deshalb neben der Förderung von Forschung und Luftfahrttechnik nicht weniger als der Anschluss Aachens an das nationale und internationale Luftverkehrsnetz, vorzugsweise über die wenige Monate zuvor gegründete Deutsche Luft Hansa – und zwar von einem eigenen Aachener Flughafen aus, für den das ehemalige Militärflugfeld im nahen Merzbrück vorgesehen ist.
Unterstützt wird der junge Verein vom renommierten Aachener Aerodynamik-Professor Theodore Kármán und vom Professor und Flugzeug-Industriellen Hugo Junkers. Der hatte bereits 1925 in einer Rede zugesichert, „als früherer Aachener Bürger seiner Heimatstadt beim Aufbau des Luftverkehrs behilflich zu sein“. Noch am Gründungsabend hat der neue Verein 150 Mitglieder, binnen Wochen liegt die Mitgliederzahl bei 400.

In den folgenden Monaten und Jahren entfaltet der junge Verein eine Vielzahl von Aktivitäten, um für die Luftfahrt zu werben. Das ist insofern ein mühsames Unterfangen, als das Rheinland zu dieser Zeit noch durch durch die Alliierten besetzt und somit jede fliegerische Aktivität verboten ist, eine Nachwirkung aus Erste Weltkrieg und Versailler Vertrag. Unmittelbar nach Abzug der letzten Besatzungstruppen aber geht es los: 1930 wird der einstige Feldflugplatz Merzbrück zwischen Würselen und Eschweiler zivilen Flughafen umgewidmet und ausgebaut. Der LVA betreibt dort eine eigene Flugschule, die Deutsche Lufthansa richtet sogar einen regelmäßigen Zubringerdienst zum Kölner Flughafen ein. Der neue Flughafen ist eine Sensation und ein Publikumsmagnet: Zu Flugtagen und Flugwettbewerben pilgern jedes Jahr zehntausende Menschen, ebenso, wenn der LVA Attraktionen wie die Junkers G38 nach Aachen lotst, damals das größte Passagierflugzeug der Welt.
Die Blüte des Vereins ist nur von kurzer Dauer: Wie alle Luftfahrt-Vereine wird der LVA innerhalb weniger Monate nach der Machtübernahme der NSDAP gleichgeschaltet und faktisch aufgelöst – eine Entwicklung, die allerdings kaum Widerstand hervorruft, im Gegenteil: Offiziell begrüßt der Verein es sogar, zumal die nationalsozialistische Regierung massiv in den Ausbau der Luftfahrt investiert – gleichermaßen zu Propagandazwecken wie zum Aufbau der bis dato verbotenen Luftwaffe. In den folgenden Jahren wird vor allem der Segelflug immer mehr militarisiert und zur Rekrutierung von Pilotennachwuchs genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird der LVA zu Beginn der 1950er wieder gegründet, allerdings bewusst als Luftsportverein, um sich von der Vereinnahmung und Gleichschaltung durch den NS-Staat in den 1930er Jahren zu distanzieren und den sportlichen Aspekt in den Vordergrund zu rücken. Sobald der bis dahin verbotene Segelflug 1952 von den alliierten Besatzungsmächten frei gegeben wird, beginnt der LVA in Merzbrück mit dem Flugbetrieb. Zunächst sind es kleine Sprünge und kurze Runden mit Schulgleitern, aber bald auch Überlandflüge von hunderten Kilometern ohne Motorkraft. Schon früh unterstützt der LVA den Leistungsflug und ermuntert seine Mitglieder „über Land zu gehen“. Mit großem Erfolg: Durch Wettbewerbe wie das Aachener Vergleichsfliegen bzw. den EuregioCup und die konsequente Förderung der Streckenfliegerei hat der Verein in seiner zweiten, mittlerweile über 75-jährigen Vereinsgeschichte eine ganze Reihe Landes- und deutsche Meister hervorgebracht. Nicht von ungefähr also ist der Flugplatz Würselen-Aachen heute Landesleistungsstützpunkt NRW für Segelflug.
Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums hat der LVA die Vereinsgeschichte aufgearbeitet und auf seiner Website als Chronik veröffentlicht mit zahlreichen Artikeln, sowie restaurierten und kolorierten Fotos, Videos und Zeitzeugen-Interviews .
