Zum dritten Mal in Folge beenden die Piloten des Segelflugzentrums Aachen (SFZ) die Saison nach der 19. Runde weit vorn in der Tabelle. Das Team landete auf Platz 7 der deutschen Spitzenliga – und behauptete sich damit gegen eine äußerst starke Konkurrenz, vor allem aus dem Alpenraum.
Seit den Zeiten des ersten internationalen Rhönwettbewerbs auf der Wasserkuppe in den 1930er Jahren kommen zahllose Weltmeister aus der Heimat der Segelfliegerei. Wer in Deutschland vorn dabei ist, darf mit Recht behaupten, auf Weltklasse-Niveau zu fliegen. Dies gilt insbesondere für die Bundesliga, an der sich eine ganze Reihe amtierender und früherer Europa- und Weltmeister aktiv beteiligt. Darüber hinaus ist auch das Wettbewerbsfeld groß.
Von den rund 500 deutschen Segelflugvereinen, die beim Ausrichter WeGlide registriert sind, qualifizieren sich die 50 besten für die 1. und 2. Bundesliga. Sich dauerhaft ganz oben zu behaupten, heißt was. Und die Bundesligapiloten des Segelflugzentrums Aachen (SFZ) schaffen das, seit sie 2022 in die 1. Liga aufgestiegen sind. Bislang ist ihnen das bis auf die erste Saison jedes Jahr gelungen. 2023 reichte es zunächst für Platz 19 von 25, im Jahr darauf landeten sie schon auf Platz 8, 2025 auf Platz 10 und 2026 auf Platz 7– und das gegen eine starke Konkurrenz aus Süddeutschland.
Das SFZ Aachen ist dabei als einziger von 87 NRW-Vereinen in der 1. Bundesliga vertreten. Im SFZ sind drei Aachener Segelflugvereine (LVA, FVA, Nordstern) sowie der Luftsportverein Düren zusammengefasst, was der Unternehmung mehr Masse und Schwung verschafft – und ein wenig den Nachteil ausbügelt, den die geografische Lage hervorbringt. „Unsere Wetterregion ist sehr anspruchsvoll“, erklärt Marko Zettier dazu. „Es gibt ein klares Nord-Süd-Gefälle: Nördlich der Mainlinie dominieren feuchte Mittelgebirge, wie Eifel und Sauerland. Südlich herrscht im Schnitt deutlich besseres Wetter für Streckenflüge. Das lässt sich auch an der Tabelle ablesen. Dazu dann die Nähe zum Alpenraum mit seinen idealen Segelflugbedingungen, was die dort beheimateten Vereine natürlich weidlich ausnutzen.“ So belegen auch in diesem Jahr Vereine aus Bayern und Baden-Württemberg die Spitzenplätze – gefolgt vom Segelflugzentrum Aachen (und dahinter weitere Alpenvereine).
Was die Aachener so erfolgreich macht? Ein Teil der Antwort liegt wohl im hohen Grad der internen Koordination bei Flugvorbereitung, -Organisation und -Taktik. Die SFZ-Flieger gruppieren sich um ein Kernteam von fünf, sechs Piloten, die sich alle gegenseitig unterstützen und wechselweise die Organisation für einzelne Wettbewerbswochenenden übernehmen, sei es durch Wetterinformationen, bei der Streckenplanung oder gegebenenfalls auch als Rückholer, wenn jemand den Flug auf dem Acker beendet hat. Geflogen wird teils in Teams, teils einzeln, manchmal auch taktisch aufgeteilt, wenn die verschiedenen Wettervorhersagen uneinig sind, wo die besten Strecken liegen: Um die Chancen auf eine gute Wertung zu erhöhen, fliegt ein Teamdann zum Beispiel Richtung Ardennen, eine anderes Team ins Sauerland. Der Tagesverlauf zeigt dann, wo die Wahrheit gelegen hat, und welches Team mit höherer Punktzahl in die Wertung eingeht.
Markus Zettier betont dabei die Offenheit der Bundesliga-Gruppe: „Jeder ambitionierte Pilot ist willkommen.“ Zur Koordination existiert eine Whatsapp-Gruppe. Zwei, drei Tage vor vielversprechenden Wettbewerbswochenenden wird es in dort geschäftig: Ideen für mögliche Strecken und Informationen zu den Vorhersagen unterschiedlicher Wettermodelle machen die Runde, gegebenenfalls auch Absprachen bei zweifelhaftem Wetter, gemeinsam zu anderen Startflugplätzen zu fahren. So reisten eine Gruppe einmal nach Langenfeld und gingen von dort aus erfolgreich auf Strecke, als Aachen unter Regenwolken hing. Koordinator Marko Zettier betont, dass es sich um eine offene Whatsapp-Gruppe handelt: „Jeder Aachener Pilot, der mitfliegen will ist herzlich willkommen, auch, wernur mitlesen und zum Beispiel von den Wetterinformationen oder Streckenflugvorschlägen profitieren möchte. Kurze Nachricht reicht.“
Angst davor, dass der Elan irgendwann erlahmt, hat Marko nicht, vor allem, wenn er auf den Nachwuchs blickt. Seit 2023 gibt es auch eine Juniorenliga. Die jungen Leistungspiloten des SFZ schoben sich gleich im ersten Jahr auf den ersten Platz.
So funktioniert die Segelflug-Bundesliga
Die Segelflug-Bundesliga existiert seit 2001, im Jahr 2018 wurde sie von der Segelflugplattform WeGlide ins jetzige Format überführt. Die Idee war es , den bis dahin stark individuellen Streckenflug in einen spannenden Mannschaftswettbewerb zu überführen, mit möglichst fairen Bedingungen für Vereine und Flugzeugklassen.
Das Ligasystem wurde dabei nach dem Vorbild anderer Sportarten gestaltet. Wie im Fußball oder Handball zählt für den Tabellenplatz nicht die einzelne Pilotenleistung, sondern die Teamleistung des Vereins. Jeder Flug wird registriert, dessen Loggerdaten auf die Segelflugplattform WeGlide hochgeladen wird und dessen Heimatverein dort gelistet ist. Das können beliebig viele Flüge für jeden Wettbewerbstag sein. Vom SFZ sind das bis zu 25 Piloten pro Wettbewerbstag. („Eine schlaue Motivation für noch junge oder unerfahrene Piloten, sich zu beteiligen“, so Marko Zettier).
In der Tageswertung landen allerdings nur die jeweils drei bis sechs besten Flüge. Gewertet werden die jeweils höchste Schnittgeschwindigkeit über 2 Stunden des Fluges, sowie die höchste Punktzahl für die geflogene Strecke nach DMST (Deutsche Meisterschaft im Streckenflug). Geflogen wird dabei ausschließlich samstags und sonntags, in insgesamt 19 Runden zwischen April und August.

