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2005

Herbst

Training für die Jugend: Aachen wird Landesleistungsstützpunkt für Segelflug

An 74 Flugplätzen in Nordrhein-Westfalen wird Segelflug betrieben, lediglich 9 davon sind Landesleistungsstützpunkte für Spitzensport. Linksrheinisch gab es viele Jahre lang keinen einzigen – bis 2005. Danach begann in Merzbrück eine Erfolgsgeschichte der fliegerischen Nachwuchsförderung. In den zwei Jahrzehnten seines Bestehens hat der Landesleistungsstützpunkt Aachen eine ganze Reihe von Meisterschaftsteilnehmern auf nationaler und internationaler Ebene hervor gebracht.

Dass Aachen sich Landesleistungsstützpunkt nennen darf, geht auf eine gemeinsame Initiative der LVA-Fluglehrer Reinhold Sänger und Rudolf Zeller sowie H.W. Pannenberg zurück. Bis in die Nullerjahre gab es fünf Segelflug-Landesleistungsstützpunkte, erinnert sich Rudi Zeller:„Die waren meistens da, wo ein sehr guter Segel-Flieger beheimatet war. Aber auf unserer Rheinseite gab es nichts.“ Dabei war in Aachen Überlandflug seit Jahrzehnten fest etabliert, auch durch das traditionsreiche Vergleichsfliegen und später den EuregioCup. „Dass sehr viel Überlandflug in Aachen stattgefunden hat, hatte auch damit zu tun, dass wir es immer geschafft haben, unter der Woche Schleppiloten zu finden.“ Denn erstaunlicher Weise hält sich Hammerwetter nicht ans Wochenende.

Im Jahr 2005 wurde der Flugplatz Aachen-Merzbrück Landesleistungsstützpunkt.

Voraussetzung und Bedingung für die Einrichtung eines Landesleistungsstützpunktes war eine spezielle Trainerlizienz: „Nicht die Trainer-A-Lizenz für Landestrainer, aber die Trainer-B-Lizenz musste man haben.“ Zusammen mit Reinhold „Nöll“ Sänger absolvierte Rudi Zeller die geforderte Ausbildung (bei Reinhold blieb „Trainer“ als Spitzname hängen). Ihre Aufgabe? „Diesen Trainern obliegt es (…), eine Talentsichtung und -förderung durchzuführen, um die Spitzensportler der Zukunft zu identifizieren und an ihre Höchstleistung heranzuführen“, heißt es in der offiziellen Jobbeschreibung des Aero-Clubs NRW. „Hierzu werden auch (…) Trainingslager organisiert, welche von den rund 30 ausgebildeten Trainern in NRW unterstützt werden.“

Dabei geht es in erster Linie um die Ausbildung und das Training von jungen Piloten aus dem Landesleistungskader NRW, dem sogenannten D-Kader. Sie gehören zu den besten Piloten des Landes, sind nicht älter als 25 (U25), und werden gezielt auf Meisterschaften und den Aufstieg in den Bundeskader vorbereitet.

Jeder Landesleistungsstützpunkt betreut vereinsübergreifend mehrere dieser D-Kader-Piloten, meist aus der Region. In Aachen waren das zum Beispiel Sebastian Tschorn, der 2008 Deutscher Junioren-Meister wurde oder auch Daniela Wilden, die 2023 bei den Weltmeisterschaften der Frauen im spanischen Garray den dritten Platz in der Clubklasse belegte. „Das war wirklich eine Erfolgsgeschichte“, resümiert Fluglehrer und D-Kader-Trainer Rudi Zeller.

Über die Förderung des lokalen Nachwuchses hinaus soll der Landesleistungsstützpunkt auch ortsfremden Leistungspiloten ermöglichen, von dort zu starten, und eben möglichst auch außerhalb der Wochenenden. Rudi Zeller erinnert sich an einen Fall vor einigen Jahren, als ein niederländischer Pilot anfragte, ob er von Aachen aus auf Strecke gehen könne. „Der ist dann von Aachen aus wochentags geflogen. Er hat hier zwei Starts gemacht und mit einem davon ist er bis hinter Berlin geflogen und wieder zurück: 1.000 Kilometer. Das war in Aachen möglich, anderswo hätte er das an dem Tag nicht machen können.“

Auch über 20 Jahre nach der Einrichtung des Lndesleistungsstützpunktes werden in Aachen Nachwuchspiloten gefördert und trainiert. Dirk Landmesser und Thomas Dahmann kümmern sich aktuell als zwei der 20 B-Trainer in NRW darum, dass aus Aachen auch künftig Spitzenleistungen im Segelflug möglich bleiben.

(Stand: 10/2026)