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1990

5. Mai

Die magische 1000

Auch heute noch ist es eine große Herausforderung und für jeden Streckenpiloten ein Traum : das 1000er Dreieck. LVA-Pilot Manfred Dick erfüllt ihn sich 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen und ist damit nach über 10 Jahren der zweite Pilot überhaupt, der diese Strecke von deutschem Boden aus startet und vollendet.

Mit seinem Co Herbert Zimmerman fliegt er in einer ASH25 von Merzbrück aus nach Sens südlich von Paris, dann nach Solingen und wieder zurück – und legt damit insgesamt über 1000 Kilometer zurück. Die ungewöhnliche Wetterlage macht es möglich, erinnert sich Manfred Dick:

„Das war unglaublich! Wir haben den Flug taktisch ausgelegt, dass wir die Industrie nutzen konnten, morgens und abends – aber der Tag war so gut, wir haben es nicht gebraucht. Wir haben den Ausklinkpunkt im hohen Venn bei Spa gehabt, sodass wir im Gleitflug ins Kraftwerk Weißweiler rein konnten. Das brauchte man alles nicht. Die Basis war um halb elf schon über zweieinhalbtausend Meter. Und abends auch. Es war ein außergewöhnlicher Tag mit Basisshöhen um die 3000 Meter. Das kriegt man in Deutschland nicht oft.“

Vereinsinternes Diplom mit dem Höhenschrieb des 1000-Kilometer-Fluges nach Paris am 5. Mai 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen (Quelle: Luftsportverein Aachen e.V.)
Vereinsinternes Diplom mit dem Höhenschrieb des 1000-Kilometer-Fluges nach Paris am 5. Mai 1990 beim 25. Aachener Vergleichsfliegen (Quelle: Luftsportverein Aachen e.V.)

1000-Kilometer-Flüge galten lange Zeit als von Deutschland aus nicht machbar. Strecken dieser Größenordnung waren seit Mitte der 1960er Jahre in den USA möglich, später auch in Australien oder auch Finland. Dreiecke, gar solche nach FAI-Standard, waren noch einmal eine ganz andere Geschichte.

Der erste, der 1000 Kilometer von Deutschem Boden aus wagte, war 1972 Hans-Werner Grosse mit einer ASW 12. Von Lübeck mit Rückenwind schaffte er es in freier Strecke sogar bis Biarritz, 1460 Kilometer weit bis kurz vor die spanische Grenze. Weltrekord! Der hielt 30 Jahre lang, erinnert sich Manfred.

Aber um einiges größer noch ist natürlich die Herausforderung, dort wieder zu anzukommen, wo man los geflogen ist. „Der erste der in Deutschland startete und wieder in Deutschland landete, war Klaus Holighaus 1979, 1000 Kilometer von der Hahnweide. Und dann – man glaubt es nicht – keiner mehr! Ich war der Zweite.“

Elf Jahre gibt es keinen Flug über 1000 Kilometer mit Start und Landung in Deutschland. Bis zu diesem denkwürdigen Tag Anfang Mai 1990. Eine Reihe von glücklichen Umständen half dabei:

„Ich hatte das Glück, dass es hier einen Metrologen bei den Belgern gab, der Freddy Hyon. Und ich hatte das Glück, dass ich am Tag vorher mit meiner Frau im Astir an die Mosel fliegen wollte, um meinen Geburtstag zu feiern. Aber dann kam das Wetter von Frankreich. Und ich habe zu meiner Frau gesagt, sei mir nicht böse, ich muss morgen fliegen. Und dann hab ich den Freddy Hyon angerufen und der hatte Gott sei Dank am nächsten Morgen Dienst. Und um 7 Uhr sagte er, du musst nach Paris, aus Paris kommt das Wetter. Und so hat es geklappt.“ 

Manfred Dick beim Interview im LVA-Clubheim 2026 (Foto: Luftsportverein Aachen e.V.)
Manfred Dick beim Interview im LVA-Clubheim 2026 (Foto: Luftsportverein Aachen e.V.)

Manfred Dicks Flug scheint in der Szene so etwas wie einen Dammbruch ausgelöst zu haben, plötzlich wollen alle die Tausend knacken: Wenige Wochen später fliegt Dieter (Kiki) Hefter von Merzbrück aus ebenfalls 1000 Kilometer, in den folgenden Monaten und Jahren häufen sich die Meldungen über den gelungenen Flug (und so manche frustrierte Theken-Geschichte von 994-km-Flügen).

Seitdem hat sich viel getan. Ein 1000er ist auch heute noch eine bemerkenswerte Leistung und fliegt sich längst nicht von selbst. Aber an guten Tagen werden mittlerweile schon mal ein paar Dutzend gemeldet, am 6. Juli 2023 waren es 56. Die Schallgrenze liegt inzwischen doppelt so hoch, und gelingt nicht nur in den Anden oder den Pyrenäen, wie Klaus Ohlmann das immer dort wieder demonstriert. Mit Staunen verfolgt Manfred Dick vor allem die Flüge junger Piloten, wie den von Felix Herold, der 2025 in den Alpen die Marke knackte:

„Der ist 20 und fliegt 2000 Kilometer! Man hat heute sehr präzise Wettervorhersagen und vor allem die Digitalisierung des Cockpits. Da sieht man live: Wo sind die guten Strecken, wo die Hotspots, wo ist das beste Steigen? Die werten das aus, die leben mit den Informationen. Und fliegen können die alle. Konnten wir, glaube ich, auch früher. Die Flugzeuge sind nicht viel besser geworden, nur die Informationen. Ich glaube, das ist der Schlüssel. Heute gibt es Co-Pilot. Du siehst, der eine hat drei Meter, der andere hat fünf Meter., der säuft ab. Du kriegst so viele Informationen heute. Früher hatten wir eine Landkarte, eine Shell-Karte. Wir wussten gar nicht, wo wir waren. Das war eine andere Zeit.“