1. Mai
Verkehrsfluglinie Nr. 81: Von Aachen aus in die Welt
Aachen als Teil des deutschen und internationalen Linienverkehrs – das war eines der wichtigsten Ziele, die sich der Luftfahrt-Verein Aachen bei seiner Gründung gesetzt hat. Seither haben die Mitglieder des LVA-Flugplatzausschusses kräftig für Merzbrück als Zubringerflughafen geworben. Fünf Jahre später scheint es endlich soweit zu sein: Am 1.5.1931 eröffnet die Lufthansa die Verkehrsfluglinie Nr. 81 (Aachen-Köln-Aachen). Der Westdeutsche Beobachter stellt zufrieden fest, dass dieser Tag „unserer Vaterstadt endlich den ersehnten Anschluß an das europäische Luftverkehrsnetz“ gelungen sei. Doch die großen Hoffnungen, die mit Aachen als „Luftseestadt“ verbunden sind, werden sich nicht erfüllen .


Zum Auftakt am 1. Mai hat die Lufthansa eines ihrer größten Passagierflugzeuge geschickt, eine dreimotorige Junkers G24, das neben den beiden Piloten sage und schreibe 9 Passagiere aufnehmen kann. Der tägliche Flugverkehr wird aber von einer Junkers F13 bestritten – offenbar ist die Nachfrage eher überschaubar, so dass die vier Passagiersitze des ersten Ganzmetall-Verkehrsflugzeuges ausreichen.
Wie das Abfertigungprozedere verlief, ob es für den Check-In Schalter gab, eine Gepäckaufgabe, ob dafür ein kleines Empfangsterminal zur Verfügung stand, mit Wartehalle vielleicht, wo zu völlig überzogenen Preisen schlechter Kaffee und labbrige Brötchen feilgeboten wurden? Gab es Bodenpersonal, die sich um die Versorgung der Maschine kümmerte und freundliche Lufthansa-Mitarbeiter, die sich um verloren gegangene Kinder kümmerten? – All das wissen wir nicht, es ist nicht überliefert.
Dagegen findet sich ein anderes Dokument im Aachener Stadtarchiv: Zur Pflege von Vorfeld und Landebahn schließt die Flughafengesellschaft m.b.H. Aachen mit dem Aachener Schafhalter Fritz Struwe einen Pachtvertrag über „den Grasaufwuchs des bei Merzbrück gelegenen Flugplatzes ca. 220 Morgen gross“. Schließlich sollen die geschätzten Fluggäste nicht über einen Rübenacker zur Startbahn rumpeln. In §3 des Vertrages verpflichtet sich der Schäfer mithilfe seiner Bio-Rasenmäher, „die Grasnarbe in einem Zustande zu halten, der für den Flugplatzbetrieb als vorbildlich zu bezeichnen ist. Er hat dafür Sorge zu tragen, dass die Grasnarbe stets gleichmässig und kurz bleibt.“ So bevölkern fliegendes Gerät, Schafe und Lufthansa-Passagiere auf dem Flugfeld in Merzbrück, und das offenbar friedlich und ohne gegenseitige Beeinträchtigung. (siehe Foto)
In den ersten Jahren verkehrt der Lufthansa-Liniendienst eh nur in den Sommermonaten, erst 1934 wird auf ganzjährigen Betrieb umgestellt. Profitabel ist die Strecke allerdings nie, die Städte Aachen und Köln, der preußische Staat sowie die Industrie- und Handelskammer übernehmen einen Großteil der Betriebskosten. Daran ändern auch Werbekampagnen nichts, wie solche in „Bad Aachen“, der städtischen Kurzeitung, in der regelmäßig Anzeigen erscheinen.
![Werbung für den Lufthansa-Service zwischen Aachen und Köln. Regelmäßig erschienen Anzeigen wie diese in der städtischen Kurzeitung „Bad Aachen“, um die mangelnde Auslastung der Flugzeuge zu erhöhen. (Quelle: Stadtarchiv Aachen, CZ100 [1931])](https://www.lv-aachen.de/wp-content/uploads/2026/06/016-Sommerflugplan-1931-Lufthansa-Kurzeitung-Bad-Aachen-scaled.jpeg)
Wie lang die Lufthansa die Strecke Aachen-Köln betreibt, ist unklar. Trotz mehrfacher Anfragen sah sich das Lufthansa-Archiv nicht in der Lage, dazu eine Auskunft zu erteilen oder überhaupt nur zu antworten. Offenbar bleibt die Verkehrsfluglinie Nr. 81 trotz aller finanzieller Förderung unrentabel und wird irgendwann eingestellt. Vermutlich liegt der bereits etablierte Großflughafen in Köln-Butzweilerhof zu nah, um einen Zubringerdienst rentabel zu betreiben und andere Destinationen sind schlicht zu wenig gefragt.
Der ursprüngliche Traum des LVA jedenfalls , ein ganzes Netz von Linienflügen von und nach Aachen zu spinnen und die alte Kaiserstadt damit an den nationalen und internationalen Flugverkehr anzuschließen, ist damit ausgeträumt.


Quellen:
Kurzeitung Bad Aachen, Stadtarchiv Aachen, CZ100 [1931]
Westdeutscher Beobachter vom 31.10.1934
Echo der Gegenwart vom 31.10.1931
Stadtarchiv Aachen, FIR 10-2, CZ100
