29. Juni
Außerordentlicher Beifall: Merzbrück wird Aachener Flughafen
Es ist ein strahlender Sommersonntag und 20.000 Neugierige strömen nach Merzbrück, zur feierlichen Eröffnung des „Aachener Flughafens (…), um den wir solange kämpfen mußten“, wie die Aachener Presse stolz verkündet, eine „großartige Werbung für den Luftfahrtgedanken“. 1929 hatten die Alliierten Besatzungsmächte den Feldflugplatz geräumt und damit den Weg für die Errichtung eines Zivilflugplatzes frei gemacht. Das Gelände wurde von der Stadt und dem Landkreis Aachen sowie Landkreis Düren übernommen, und nun, am 29. Juni 1930, der Öffentlichkeit übergeben. Die feierliche Eröffnung just am Tag vor dem Abzug der Alliierten Besatzungsmächte aus dem Rheinland verleiht der Veranstaltung eine politische Dimension.
Die Flugplatzanlage samt seiner 780 Meter langen Grasbahn für Start und Landung umfasst insgesamt 155 Hektar. Allerdings kann zunächst lediglich ein Drittel davon genutzt werden, weil der südliche Teil noch bis zur Sommerernte von Landwirten gebraucht wird. Dafür steht auf der Nordseite bereits eine ansehnliche Infrastruktur zur Verfügung, wie das Echo der Gegenwart zufrieden feststellt, auch wenn einige Gebäude renoviert werden mussten: „Der Platz hat eine Halle von 60 mal 20 Meter Größe, in der man etwa 20 kleine Sportflugzeuge und eine entsprechend geringere Zahl von größeren Maschinen wird unterbringen können. Ein Teil des Geländes mit einem größeren Hallenbau wurde von der Technischen Hochschule gemietet, deren aerodynamisches Institut dort eine Versuchsabteilung einrichten wird. (…) Das frühere Offizierskasino, das der Halle vorgelagert ist, wurde für Restaurant, Flugbahnhof und Luftpolizei umgebaut und erweitert. Es enthält rechts den Abfertigungsraum, den später der Unternehmer des Luftverkehrs auf dem Aachener Platz (…) übernehmen wird. In der Mitte liegt ein Restaurationsraum, der in der nächsten Woche noch um einige vorgelagerte Terrassen erweitert werden soll, und links davon, ganz von den übrigen Räumlichkeiten abgetrennt, sind die Beamten der Luftpolizei untergebracht.“
Nach der Begrüßung der Ehrengäste durch LVA-Präsident Otto Kranzbühler, spricht Wilhelm Rombach, seines Zeichens Aachener Oberbürgermeister und und schon zuvor als Regierungspräsident eifriger Unterstützer des Aachener Flugplatzes. Mit dessen Eröffnung sieht er das große Ziel ein gutes Stück nähergerückt, Aachen an das nationale und internationale Flugverkehrsnetz anzuschließen und vom Rheinland aus das „Luftmeer“ zu erobern. In seiner Rede zitiert er Hugo Junkers, seit zwei Jahren Ehrenbürger Aachens. Der hatte im Jahr 1928 gesagt: „Bedenken Sie, daß es in der Luftfahrt keine Binnenstädte mehr gibt, daß Aachen eine Luft-seestadt ist, von der es genau so wie von Hamburg und Neuyork aus möglich ist, die ganze Welt zu erobern.“ Passender Weise ist Therese Junkers zu diesem Anlass angereist, die Frau von Hugo Junkers, um eine eine Junkers Junior auf den Namen ihres (abwesenden) Mannes zu taufen. Drei weitere neue Flugzeuge des Luftfahrt-Vereins und der Flugwissenschaftlichen Vereinigung (FVA) werden von der Frau des Aachener Oberbürgermeisters getauft.
Dann endlich beginnt das Flugprogramm. 17 Motormaschinen sind zu dieser Gelegenheit in Aachen zusammengekommen – für die Zeit eine beträchtliche Anzahl. Bis in den späten Abend hinein bestaunt das Publikum an diesem Tag Fallschirmsprünge und Geschicklichkeitsprüfungen, bejubelt Kunstflüge und Luftrennen. Mit „außerordentlichem Beifall“ werden zwei weibliche Piloten begrüßt: Luise Hoffmann, frisch gekürte Zweite im Damenkunstflug, sowie „Frau Triebner“ (Vorname unbekannt), die von der brandneuen Junkers Junior des Aachener Geschäftsmannes Leo Lammertz aus zwei Fallschirmabsprünge unternimmt und „beide Male wohlbehalten unter lauten Juchzern zur Erde“ herab sinkt. Zum Abschluß des Flugtages zogen sämtliche teilnehmende Flugzeuge in Geschwaderformation über den Aachener Himmel.
Rheinland-Befreiungsflug
Fotos:
005A (Festakt mit Zylinder verbessert) / 005B (Festakt mit Zylinder KI)
Bildunterschrift: Festakt mit Zylinder: Die versammelte Aachener Stadtprominenz inklusive Oberbürgermeister Rombach hat sich am neuen Flugplatz eingefunden, um dessen Einrichtung lange zäh gerungen worden war. Mit freundlicher Genehmigung: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
006A (Einweihungsfest 1930 Ansager verbessert) / 006B (Einweihungsfest 1930 Ansager KI)
Bildunterschrift: Programm bis in den späten Abend: Fallschirmsprünge, Geschicklichkeitsprüfungen, Staffelrennen, Kunstflüge Der Ansager (Name unbekannt) hatte beim ersten Flugtag in Merzbrück ordentlich zu tun. Mit freundlicher Genehmigung: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
007A Einweihungsfest 1930 (Pilotin verm. Luise Hoffmann verbessert) / 007B Einweihungsfest 1930 (Pilotin verm. Luise Hoffmann KI)
Bildunterschrift: Publikumsliebling: Flugpionierin Luise Hoffmann wurde mit besonderes herzlichem Applaus begrüßt. Mit freundlicher Genehmigung: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
008A (Einweihungsfeier 1930 (Flugzeugtaufe durch Therese Junkers verbessert) / 008B (Einweihungsfeier 1930 (Flugzeugtaufe durch Therese Junkers KI)
Bildunterschrift: Namensgeber: Therese Junkers tauft eines von vier neuen Flugzeugen des LVA und der Flugwissenschaftlichen Vereinigung auf den Namen ihres Mannes. Foto: Archiv Forschungsflugplatz Würselen-Aachen GmbH, SW-Original und Farbversion des Bildes KI-bearbeitet)
020A (FOTO 61-762 © Stadtarchiv Aachen verbessert)
Bildunterschrift: Motormaschinen auf dem Vorfeld in Merzbrück: (Foto: Stadtarchiv Aachen, FOTO 61-762)
048 (Deckblatt Rheinland-Befreiungsflug 1930)
Bildunterschrift: Ausschreibung zu „einem zweitägigen Etappenrundflug“ im Julin1930: „Zugelassen sind Bewerber, Flugzeugführer und Orter, die die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder der deutschen Kulturgemeinschaft angehören.“ Zu den Teilnahmebedingungen gehört, dass die Flugzeuge in Deutschland gebaut sind und eine deutsche Zulassung haben. (Quelle: Stadtarchiv Aachen)
