Die Piloten des SFZ Aachen starten in 2018 in der 2. Segelflug-Bundesliga! Wir freuen uns drauf!

EuregioCup live

Ende Mai wird es wieder voll auf dem Flugplatz Aachen Merzbrück. Piloten aus verschiedenen Teilen Deutschlands treffen sich zum „EuregioCup 2017“ und werden sich an bis zu fünf Wertungstagen im Streckensegelflug messen.

Nach einem abendlichen Eröffnungsbriefing am Mittwoch, den 31.05.2017 werden am Morgen des 01. Juni bei gutem Wetter die ersten Flugzeuge an den Himmel gezogen. In diesem Jahr werden wir „live“ im Blog berichten.

Lennart, der selber nicht mehr aktiver Segelflieger ist, aber schon an mehreren Wettbewerben teilgenommen hat, wird informieren über Wetter, Wettbewerbsaufgaben, erste „Heimkommer“, Außenlandungen und was es sonst noch so zu berichten gibt bei einem Segelflugwettbewerb.

Besucher, die sich das Ganze mal aus der Nähe ansehen möchten, sind herzlich eingeladen, vorbeizukommen!

Anhängerparade am Flugplatz Merzbrück während des Wettbewerbs im Mai 2016
Der EUREGIOCUP 2017 findet statt von 1.6. bis 5.6.2017
folgt uns hier und auf Facebook und verpasst nicht die Anmeldefristen!
Start voraussichtlich ab Januar 2017

Mit der Dimona zum besten Flugplatz der Welt!

Über einen Urlaubsflug mit unserer Dimona D-KUFP in Richtung Bretagne, Kanalinseln und Südengland

Die Danksagung vorweg: Wir danken der persönlichen Flugwetterberatung des DWD, die uns genau den richtigen Rat gab! Meistens schaffen wir es einmal im Jahr, einen Urlaubsflug mit dem Motorsegler zu unternehmen.  Und jedesmal stellen wir ein paar Tage vorher dem Flugwetterberater am Telefon die Frage, wohin es am besten gehen sollte. Dieses Mal wurde die mit „West-Südwest“ beantwortet. Von dort sollte das neue Hoch kommen. Also befolgten wir den Rat, flogen hin und schwappten mit dem Hochdruckgebiet 5 Tage später wieder zurück nach NRW! Dazwischen lagen traumhafte und erlebnisreiche Flugtage:

Ende August sollte es los gehen. Wir (Matthias Gudorf aus der LSG Steinfurt und Jochen Meyer aus dem LV Aachen) hatten die Dimona des Aachener Vereins zur Verfügung. Nach dem Tipp vom Wettermann haben wir Zelt, Isomatten und Schwimmwesten zusammengerafft, im Netz einige Informationen zusammengesucht und aktuelle Karten gekauft. Nachdem wir dann bequem im Onlineportal der DFS die ersten Flugpläne aufgegeben hatten, flogen wir am nächsten Morgen los. Zunächst mussten wir beim Flug von Steinfurt über Midden-Zeeland an der niederländischen Küste nach Saint Inglevert bei Calais noch unter Wolken durch und zwischen einzelnen Schauern her fliegen. Doch als wir am Kanal ankamen, erwartete uns dort schon ein sonniger Abend. Freunde verbrachten ihren Urlaub in einem Ferienhaus ganz in der Nähe, und so konnte das Zelt im Flieger bleiben und wir wurden lecker von Gaby und Kay bekocht. Das war ein sehr schöner Start in den Urlaub!

Am nächsten Mittag verließen wir das Land der Ch’tis und flogen die Küste der Normandie entlang bis an die Bretagne heran: In Saint Valery erfuhren wir bei einer Zwischenlandung von einem Piloten dort, wie man geschickt und mit einem super Ausblick durch die Kontrollzone von Le Havre an der Seine-Mündung kommt. Wir erlebten sehr freundliche Lotsen und konnten die Seine-Brücken, das Seebad Deauville und den Atlantik bewundern. Weiter ging es an bizarren Felsküsten und Stränden den Atlantik entlang bis zur D-Day-Küste. Hier über Omaha Beach dachten wir an das Grauen, das sich unter uns vor mehr als 70 Jahren abgespielt haben muss. Aus der Luft sind die großen Soldatenfriedhöfe und das Denkmal gut zu erkennen. Gelandet sind wir schließlich in Granville, nahe des Mont Saint Michel, wo wir unser Zelt neben dem Flieger aufstellen durften. Nachts im Zelt schliefen wir lange nicht ein, weil uns die vielen Eindrücke und auch die Vorstellungen vom D-Day, wie wir ihn uns besonders aus Sicht der daran beteiligen Piloten ausmalten, noch durch den Kopf gingen.

D-Day-Feeling: Omaha-Beach
D-Day-Feeling: Omaha-Beach

Mittlerweile mussten wir uns um das Flugwetter keine Sorgen mehr machen: Nur noch einzelne Wolken, die wir schnell übersteigen konnten und Sichten bis zum Anschlag! Wir waren dem Hoch längst entgegen geflogen. Gegen eine steife Brise flogen wir so am folgenden Morgen über Cherbourg und das Cap de la Hague auf die Kanalinsel Alderney. Sie liegt im kontrollierten Luftraum der „Jersey-Zone“, und wir wurden vom Lotsen im Direktanflug auf die Piste der kleinsten der Kanalinseln geschickt. Das war spannend, weil man uns wie einen Profi behandelte, und wir fühlten uns, als wären wir mit einem richtig großen Eimer unterwegs: „D-KUFP, Runway 26, straight in, you are number one, the wind 260 – 12 knots, cleared to land!“ Cool!

Anflug auf die 26 auf ALDERNEY
Anflug auf die 26 auf ALDERNEY

Nur zelten darf man auf dem Flugplatz leider nicht. Daher liehen wir uns im Dorf Fahrräder und radelten mit Zelt und Gepäck zum Campingplatz. Dabei umrundeten wir fast schon die ganze Insel. Dort wechseln sich Felsküsten und Traumstrände ab, es gibt exotische Vegetation, ein ganz besonderes Licht und – Wind. Ein Geldautomat ließ sich von uns beknien, Britische Pfund auszuspucken, und so konnten wir Fish und Chips mit warmem Bier in einem urigen Pub genießen.

Der Strand auf Alderney - direkt an unserem Campingplatz!
Der Strand auf Alderney – direkt an unserem Campingplatz!

Am nächsten Morgen gingen wir früh zum nahegelegenen, menschenleeren Strand, um ein Bad im Kanal zu genießen. Unsere Theorie: Wenn wir jetzt baden gehen, werden wir die für heute vorgesehene Strecke von 115 Kilometern über Wasser bis zur englischen Küste ohne weiteren Kontakt mit dem nassen Element überstehen. Aberglaube macht zuversichtlich! Das Schwimmen dauerte jedoch nicht lang, weil der warme Golfstrom wohl ausgerechnet an diesem Morgen versagt haben muss! Das darauffolgende Frühstück aus Toast, Baked Beans und Ei hatten wir uns trotzdem wirklich verdient!

Während des darauffolgenden Fluges zur Isle of Wight bestätigte sich zum Glück unsere Theorie mit dem morgendlichen Bad. Es ging  alles gut, der Rotax arbeitete zuverlässig, und die vor dem Start angelegten Schwimmwesten kamen nicht zum Einsatz. So wurde es ein unvergleichlich schönes Erlebnis, von Alderney über von Seevögeln bevölkerten Felsen abzufliegen, auf 1000 Meter zu gehen, und einem weiten, blauen Horizont über dem Meer entgegen zu fliegen. Und dann landeten wir auf dem besten Flugplatz der Welt:

Sandown auf der Isle of Wight wird seit einigen Monaten von neuen Leuten betrieben, Dan und David. Wir, nach der Landung: „Würdet ihr bitte unseren Flugplan schließen?“ – „Ist schon geschenen, was können wir sonst für euch tun?“ – „Wo dürfen wir denn unser Zelt aufstellen?“ – „Egal, wo es euch gefällt! Ihr seid hier auf dem besten Flugplatz der Welt.“ – „Können wir morgen früh Frühstück bekommen?“ – „Klar, was wollt ihr haben? Übrigens, morgen Abend spielt hier eine Bluesband und es kommen einige Flieger, wir machen ein kleines Flugplatzfest und grillen. Da bleibt ihr doch noch, oder? Wir sind schließlich der beste Flugplatz der Welt!“

Natürlich blieben wir. Und als wir am ersten Abend vom Gang in den Küstenort zurück kamen, lagen 4 leckere Bierflaschen vor unserem Zelt. Als wir Dan später darauf ansprachen, meinte er nur, man müsse sich schließlich um seine Gäste kümmern! Schließlich wären wir auf dem … (ihr wisst schon).

Die NEEDLES an der Isle of Wight
Die NEEDLES an der Isle of Wight

So genossen wir den zweiten Tag auf der Isle of Wight mit Faulenzen, in der Sonne liegen und damit, den Flugplatzbetrieb auf uns einwirken zu lassen. Dann machten wir einen nachmittäglichen Inselrundflug und flogen kurz auf’s Festland nach Salisbury. Wenn die Sonne scheint, ist diese Region Englands einfach traumhaft schön! Wir haben uns zwischendurch überlegt, ob nicht ein Küstenwanderurlaub dort auch mal etwas für uns wäre!

Besuch in Old Sarum - Flugplatz bei Salisbury
Besuch in Old Sarum – Flugplatz bei Salisbury

Während die Bluesband am Abend spielte und wir den ersten selbstgemachten Burger intus hatten, lernten wir ein englisches Paar kennen, das mit einem Robinson 44-Hubschrauber angereist war. Die beiden flogen öfter von ihrem Zuhause nördlich von London zur Insel, um dort das Wochenende zu verbringen. Das Besondere aber war eher, dass sie von zwei Hunden begleitet wurden (und wir sprechen von vollständigen Tieren, keinen Schoßhündchen), von denen der ältere bereits 600 Flugstunden auf dem Buckel hatte! Zu der Zeit, in all dieser englischen Exzentrizität, zwischen den Burgern, Salaten und dem warmen Bier und zudem auf dem besten Flugplatz der Welt, waren wir nahe daran zu fragen, wer von den Vieren denn jetzt wohl den Flugschein hat …

Jedenfalls haben wir jetzt 4 neue, englische Freunde, und wir sind eingeladen, sie wann immer wir wollen, zu besuchen.

Am nächsten Tag mussten wir weiter, weil sich unsere Urlaubstage dem Ende zuneigten. Noch einmal konnten wir einen Flug entlang der Küste in Richtung Dover genießen, hatten eine weitere spannende Kanalüberquerung, blickten bald auf die Steilküste südlich von Calais, landeten wieder in Midden-Zeeland zwischen, und brachen mit der Abendsonne im Nacken in komplett ruhiger Luft nach Hause auf – vor uns die Niederlande mit den großen Flüssen, in der Ferne Rotterdam als Skyline, und dann kurz vor Sonnenuntergang die Landung zuhause. Wir hatten, wie von der Flugwetterberatung versprochen, das Hochdruckgebiet mitgebracht. Hinter uns lagen rund 15 Flugstunden und eine Flugstrecke von 2.000 Kilometern.

Diese fünf Tage waren so erlebnisreich, dass sie sich locker wie zehn Tage Urlaubsflug anfühlen! Wir werden noch lange von den Bildern in unseren Köpfen zehren und uns an die netten Menschen (und Hunde) erinnern, die wir getroffen haben. Wir haben Lust auf mehr und werden nächstes Jahr ganz bestimmt zu neuen Erlebnissen aufbrechen. Vielleicht sieht man sich ja!

Fliegerinfos:

  • GAR
    Bevor man nach England einfliegt, muss man einen General Aviation Report machen. Das geht online und man gibt an, wer man ist und wohin man einfliegt. Die Zollbeamten wollen das vorher wissen.
    gov.uk/government/publications/general-aviation-operators-and-pilots-notification-of-flights
  • Flugplan
    Internationale Flüge erfordern die Aufgabe eines Flugplans. Oft geht das vom Flugplatz aus per Fax, unserer Erfahrung nach ist es aber einfacher, wenn man sich vorher bei der DFS registriert und dann über einen persönlichen Account online Flugpläne aufgeben kann. Rückmeldung und NOTAMS bekommt man dann als E-Mail aufs Handy.
    dfs-ais.de
  • Karten und Material
    Wir hatten uns kurz vor dem Flug mit aktuellen Karten der beflogenen Ländern eingedeckt. Aufpassen muss man z.B. in den Niederlanden und in Belgien mit teils tief herunterreichenden TMA-Sektoren. Die sind einfluggenehmigungspflichtig. Man kann natürlich auch drumherum oder drunterher fliegen. Eine gute Vorbereitung mit aktuellen Karten ist dazu wichtig. In Frankreich und auch in England flogen wir hin und wieder durch CTRs, wozu die Karten ebenfalls unerlässlich waren. Bei entsprechender Anfrage bei den Lotsen wurden wir immer freundlich und unkompliziert durchgelassen. Natürlich geht das mit Transpondercode noch einfacher. Oft empfiehlt es sich, die überregionalen Informations-Frequenzen anzusprechen und um Flug-Information zu bitten (Dutchmil, Brussels-, London-, Lille-Information usw).
  • Funksprechen im Ausland
    Dazu sei hier angemerkt, dass alle Lotsen, mit denen wir in den Niederlanden und Belgien, Frankreich, den Kanalinseln und England zu tun hatten, immer freundlich, gut verständlich und auch verständnisvoll waren. Versteht man einmal nicht so gut, bittet man um langsame Wiederholung, welche gern gewährt wird. Grundsätzlich meinen wir, dass man lieber einmal jemandem zu viel mitteilen kann, als dass man sich gar nicht meldet. Oft geben die Lotsen sicherheitsrelevante Informationen!

Matthias Gudorf & Jochen Meyer

Einmal Elefantenklo und zurück…

…  Eindrücke eines Alpenflug-Novizen beim Sommerlehrgang des LVA in Südfrankreich

„Mach mal die Kamera aus.“ Ich stutze. Warum das? Die letzte Stunde habe ich damit verbracht, Maiks kleine GoPro begeistert von rechts nach links zu schwenken und wieder zurück, von oben nach untern und immer wieder durch das Seitenfensterchen, gebannt vom Alpenpanorama, während er uns vom hinteren Sitz aus an den Berggraten entlang gesteuert hat: vom Morgon, dessen Hochplateau die Miniatur-Landschaftsbauer von Märklin nicht pittoresker hätten gestalten können, über den türkis-blau funkelnden Lac de Serre Ponçon, der Dormillouse und Les Trois Evêchés nach Süden, fast auf Augenhöhe vorbei an winkenden Bergwanderern. Immer wieder habe ich mich gezwungen, die Kamera aus der Hand zu legen, nur um gleich darauf wieder auf den Auslöser zu drücken, jedes mal, wenn wir um eine Ecke herum gekommen sind, und sich ein neuer, faszinierender Anblick ergab.
Vor vier Stunden sind wir in Puimoisson gestartet, an einem typischen französischen Alpen-Sommertag: Südwest-Wind, ein Gemisch aus Wolkenthermik und Hangaufwind, das ganze im Nachmittag bis auf 3700 Meter. Auch Welle hat man uns morgens beim Briefing versprochen. Die gibt es auch. Weit im Norden sehen wir die Lentis, zu weit für uns heute. Bei Barcelonette steht ebenfalls eine Rotorwolke, doch wie die anderen aus unserer Gruppe, finden wir keinen Einstieg ins System. Ist für uns heute aber auch keine Priorität.

Maik Kühlenborg hat sich bereit erklärt, vom Copilotensitz aus mir Alpenflug-Novizen den berühmten Parcours zu zeigen. Mit ein paar Vereinskameraden vom FSG Soest macht er in Puimoisson Urlaub, hat einige hundert Stunden Flugerfahrung, und ich mit meinen vielleicht 20 Stunden quasi nichts. Die Tage zuvor bin ich nach einigen Einweisungsflügen am Doppelsteuer mit der Vereins-LS-1 im 20-Kilometer-Radius um Puimoisson gedümpelt, und habe meine Hangflugerfahrung am Serre de Montdenier aufgefrischt, dem 1000 Meter aus der Haute Provence aufragenden Hausberg, wenige Kilometer östlich des Platzes. Für Flachlandtiroler wie mich bietet Puimoisson beste Voraussetzungen für den Einstieg in den Gebirgssegelflug. Südwestlich des Platzes breiten sich beruhigend große ebene Flächen aus, während man sich Richtung Norden langsam an die Hänge und Berge herantasten kann, ohne dass die Zahl möglicher Außenlandeflächen rapide abnimmt, und einem beängstigend viele der ortsüblichen Alpengipfel entgegen springen. Auch wegen dieser günstigen Lage hat der Luftsportverein Aachen zum vierten Mal sein Sommerlager hier aufgeschlagen. Motto: Wer will, der kann, muss aber nicht. So werden in den diesmal drei Lehrgangs-Wochen auf den fünf Vereins- und sechs Privatflugzeugen bei 125 Starts insgesamt 365 Flugstunden zusammen kommen und knapp 14.000 Streckenkilometer.
Weil die sich aber nur schwer erfliegen lassen, indem man die paar Kilometer Hang der Serre poliert, soll es heute also endlich einmal über den Parcours gehen, jene grob von Nord nach Süd laufende Aufreihung von Gipfeln, die der Alpenflieger gern und intensiv als Rennstrecke nutzt.
Der Verkehr ist in der Tat beträchtlich: Kaum eine Flugminute verstreicht, in der nicht in Gegenrichtung ein, zwei, oder gleich eine ganze Horde Plastik-Piloten die Grate entlang fräst. Trotz FLARM heißt es da, Augen auf, und die Vorflugregeln beherzigen. Denn abgesehen von einigen zornigen und wenig ausweich-willigen Kameraden, gibt es ja auch noch die Kollegen Hängegleiter und Gleitschirmflieger, mit deutlich niedrigerer Relativgeschwindigkeit aber ebenso berechtigtem Interesse am Hangaufwind.
So arbeiten wir uns die grob 80 Kilometer von der Serre über Beynes und Coupe, Cheval Blanc, Les Trois Evêchés und die Dormillouse bis hinauf zum Lac de Serre Poncon und wieder zurück. Dabei immer den Blick auf mögliche Außenlandefelder, teils in ausgetrockneten Flussbetten, von denen einige trotz Karte und Außenlandekatalog nur schwer zu erkennen sind. Die Ausweichmöglichkeiten zu kennen, so lerne ich, ist extrem zuträglich für die eigene Gesundheit wie das Fluggerät – der Plan-B mithin in jeder Situation und zu jedem Zeitpunkt essenziell. Denn in den Alpen geht alles ein bisschen schneller. Die Zeit, die für Entscheidungen bleibt, ist deutlich kürzer bemessen als im Flachland.
Deutlich besser sichtbar als so manches Außenlandefeld ist ein ringförmiges Gebäude auf dem Gipfel des Cheval Blanc. Auf meine Frage, was das wohl sein könne, antwortet Maik in aller Selbstverständlichkeit: „Ach das! Das ist das Elefantenklo.“ Zu meiner eigenen Überraschung kann ich mit dem Namen etwas anfangen: Beim Debriefing, der morgendlichen Nachbesprechung der Flüge vom Vortag, ist regelmäßig vom Elefantenklo die Rede. Der Rundbau soll ein Amateur-Observatorium beherbergen, wie man hört. Es braucht schon einige Vorstellungskraft, um daraus eine Kloschüssel für Dickhäuter zu fantasieren. Aber an Vorstellungskraft mangelt es dem Segelflieger bekanntlich nicht. Und so wimmelt es auf den inoffiziellen Gipfelkarten, die unter den Piloten kursieren, vor kreativen Namensgebungen: von phonetischen Verballhornungen aus dem Französischen und schiefen Übersetzungen (so werden aus drei Bistümern – Les Trois Evêchés – drei Bischöfe), bis zu Spitznamen, die aus der Topologie der Berge entstehen (wie der Krückstock und Hinkelsteine nahe St. Auban), oder eben der Bebauung (Monte Electric heißt der Colombis wegen des Mastes auf seiner kegeligen Kuppel und der vielen Stromleistungen).
Inzwischen sind wir schon zum zweiten Mal auf dem Rückweg Richtung Puimoisson, aber das Elefantenklo bekommen wir diesmal nicht zu sehen, denn wir nehmen die Route etwas weiter westlich am Bleyeul vorbei. Nun wird mir auch klar, warum Maik mich drängt, die Kamera auszuschalten: Wir fliegen über die Absturzstelle des Germanwings-Unglücks. Bis auf eine neu angelegte Gebirgsstraße weist nichts mehr auf die Katastrophe hin, die sich vor einem halben Jahr hier abgespielt hat. Dennoch – ein seltsames Gefühl bleibt.
Also zurück zum Platz. Puimoisson liegt auf einer Hochebene am Fuß des Serre de Montdeni, und ist für Neulinge recht gewöhnungsbedürftig. Weil die Hauptwindrichtung West ist, wird stets auf der abschüssigen 26 gestartet. Bei der Landung hat der geneigte Pilot die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder gegen den Wind, aber auf einer reichlich abschüssigen Bahn. Oder mit Gegenwind, dann aber bergauf – was auch nicht immer spaßig ist, vor allem wenn zum Westwind eine kräftige Nord- oder Südkomponente hinzu kommt.
Während ich mich geistig-moralisch schon mal auf die Landung vorbereite, entdeckt Maik noch einen hübschen Cumulus über dem Gorge du Verdon, jenem mächtigen Canyon, der in den pittoresken Lac de Sainte Croix mündet. Es ist schön spät am Tag. Erstaunlicher Weise sind die Bärte zum Abend hin immer kräftiger geworden, zugleich aber ruhiger und runder. Ein offenbar häufiges Phänomen in den Alpen. Wir kreisen ein: 2,7 Meter integriertes Steigen vermeldet das Vario. „Ein Blick auf die Uhr: 19:10!“ , grinst Maik. „Willkommen in Frankreich!“

Martin Herzog

Zum Autoren: Martin Herzog fliegt seit fast 30 Jahren in Aachen und hatte bislang nur wenig Gelegenheit, jenseits von Eifel und Bergischem Land echte Gebirgsflugerfahrung zu sammeln. Nach dem Sommer-Lehrgang weiß er aber, dass dies mit Sicherheit nicht sein letzter Segelflugurlaub in den Alpen war.

F-Schlepp an der Schwerpunktkupplung (wieder) einfacher!Folgende Mitteilung auf der DAeC Seite trifft seit 17.02.2016…

Posted by Deutscher Aero Club Landesverband NRW e.V. on Donnerstag, 7. April 2016